Lipporn

Im südlichsten Teil der Ortsgemarkung von Lipporn finden sich Überreste eines der ältesten Bauwerke im Blauen Ländchen, der Lipporner Schanze. Sie entstand als Fluchtburg in der sogenannten Hallsteinzeit, ca. 750-450 v.Chr. Die Wehranlage wurde von der Bevölkerung der Umgebung bei einer drohenden Gefahr aufgesucht. Ihre bis zu 3,5m starken Außenmauern umfassten einen Bereich von 65m mal 110m. Die frühmittelalterliche Anlage diente vermutlich dem Schutz des alten Handelsweges, der vom Wispertal heraufkam und an Lipporn vorbei nach Norden führte.

Die Alteburg Lipporn, wahrscheinlich der Nachfolgesitz der Lipporner Schanze, lag einige hundert Meter südöstlich von dieser auf einem Bergsporn oberhalb des Werkerbachs, der in diesem Bereich die westliche Gemarkungsgrenze von Lipporn bildet. Die Alteburg stammt aus dem Hochmittelalter, vermutlich aus der Zeit der Staufer, also dem 11. Jahrhundert. Die Alteburg war die die größte Wehranlage im Umland und vermutlich der Stammsitz der Grafen von Laurenburg, aus denen wiederum das Haus Nassau hervorging. Heute sind von ihr nur noch Reste der denkmalgeschützten Ringmauer und des Bergfrieds zu sehen.

Im Zuge der Reformation wurde Lipporn im 16. Jahrhundert evangelisch, wie auch die umliegenden Orte in der so genannten Vogtei. Allein das Kloster Schönau blieb katholisch. Die evangelische Kirche von Lipporn in der Werkerbachstraße entstand von 1750-52 als Mansarddachbau und steht unter Denkmalschutz.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand zwischen den alliierten Besatzungszonen ein Kuriosum, der Freistaat Flaschenhals. Amerikaner und Franzosen legten ihren rechtsrheinischen Einflussbereich auf einer Landkarte durch jeweils einen Halbkreis fest, der mit einem Radius von 30km um Koblenz bzw. um Mainz gezogen wurde. Zwischen diesen Halbkreisen erstreckte sich ein unbesetztes langgezogenes Gebiet, das der Volksmund Flaschenhals taufte. Dieser Freistaat Flaschenhals mit eigener Währung bestand von 1919-23 und wurde im Vertrag von Versailles anerkannt. Zu ihm gehörte auch die Vogtei, die Gegend um Lipporn. Beim Nachbarort Strüth lag mit nur wenigen hundert Metern die engste Stelle des Flaschenhalses.

Den Übergang vom Blauen Ländchen in den Rheingauer Wispertaunus bildet im Süden von Lipporn der Werkerbach. An seinem Oberlauf liegt der romantische kleine Waldsee Lipporn. Im Norden von Lipporn flacht sich das Gelände etwas ab. Höchster Punkt ist hier der Feuerkopf (414m).