Welterod

Ganz im Süden des Blauen Ländchens im Übergang zum Rheingau liegt Welterod. Wer an dem kleinen Dorf vorbeiwandert, steht plötzlich inmitten einer Wacholderheide. Dies liegt nicht daran, dass sich der Wanderer völlig verirrt hat und zu weit nördlich vom Weg abgekommen ist. Das ungewöhnliche Wacholdervorkommen bei Welterod ist ein Überrest aus dem hiesigen Landschaftsbild vergangener Zeiten. Die Heide im Nordwesten der Ortsgemarkung mit ihren Wacholdergruppen, Wildrosen, Bäumen und Gehölzen steht unter Naturschutz und ist eine der Attraktionen im Blauen Ländchen.

In der Gemarkung von Welterod liegt die höchste Erhebung im Rhein-Lahn-Kreis, der Ziegenkopf (485m), der hier den Übergang zur Naurother Schweiz im Untertaunus markiert. Dass rund um Welterod schon lange vor Christi Geburt Menschen lebten, belegen die Hügelgräber südlich des Ziegenkopfes, die entlang der Gemarkungsgrenze von Welterod liegen.

Die eigentliche Geschichte von Welterod beginnt 1117: In diesem Jahr überschrieb Dudo von Laurenburg sein gesamtes Gut an das Kloster Schaffhausen mit der Auflage, eine Niederungsburg in Lipporn zu gründen. Aus dieser entstand wenig später das am Ortsrand der Nachbargemeinde Strüth gelegene Kloster Schönau.

Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich Welterod in einem schmalen Korridor zwischen den rechtsrheinischen Brückenköpfen der Amerikaner um Koblenz und der Franzosen um Mainz – einem Gebiet, das von keinem der Alliierten besetzt war. Das Gebiet erhielt im Vertrag von Versailles den Status eines Freistaates und blieb bis zur militärischen Besetzung durch Frankreich im Jahr 1923 als Freistaat Flaschenhals bestehen.

Sehenswert ist in Welterod die evangelische Pfarrkirche in der Rheingaustraße. Bereits 1140 wurde eine eigene Pfarrei mit Kirche und Schutzpatron in Welterod erwähnt, die Kirche St. Peter. Nach der Reformation wurde diese gegen eine evangelische Kirche ersetzt. Das heutige Kirchengebäude, ein klassizistischer Saalbau mit mächtigem Turm, entstand um 1848 und steht unter Denkmalschutz.

Einen Blick lohnt auch die Denkmalzone an der Rheingaustraße, Ecke Lipporner Straße. Hier befindet sich eine Gruppe aus drei Hofanlagen mit Fachwerk-Wohnhäusern aus dem 18. Jahrhundert, die im 19. Jahrhundert mit neuen Fenstern versehen und um Kniestock erhöht wurden. Und wer in der Lipporner Straße ist, schaut gleich noch beim denkmalgeschützten Spritzenhäuschen vorbei, einem eingeschossigen Fachwerkbau mit Walmdach aus dem 19. Jahrhundert.