Hemer

Die Keimzelle der heutigen Stadt Hemer ist Haus Hemer. Iim 11. Jahrhundert wurde dieser Gutshof errichtet, der zu den Oberhöfen des Kölner Erzbischofs gehörte. 1072 ging das Gut an das Kloster Grafschaft bei Schmallenberg über, das damals neu gegründet worden war. Im Laufe der Jahrhunderte erhielten verschiedene Ritter das Gut als Lehen, bis es schließlich Anfang des 17. Jahrhunderts der Drost Dietrich Ovelacker kaufte.

Er baute Haus Hemer um und errichtet auch das Herrenhaus, das bis heute zu sehen ist - die Wetterfahne zeigt das Jahr 1614 an. Wassergräben machten aus Haus Hemer ein richtiges Wasserschloss, diese existieren heute allerdings nicht mehr. In den 1980er Jahren wurde das Gebäude gründlich restauriert und dient heute als Gemeindezentrum der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul und beherbergt auch deren Kindergarten.

Ebenfalls zur Pfarrgemeinde gehört die Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die Saalkirche entstand 1696-1700 unter Federführung von Fürstbischof Jobst Edmund von Brabeck in direkter Nachbarschaft zu Haus Hemer. Der dreijochige Saalbau zeigt einerseits barocke Formen, zitiert aber auch die Gotik. Auch das Querschiff und der Chor mit dem geraden Abschluss, Erweiterungen aus den Jahren 1898-99, weisen gotisierende Merkmale auf. Die prachtvolle Innenausstattung stammte aus der Werkstatt des Attendorners Johann Sasse. Sein Orgelprospekt ist absolut sehenswert.

Ebenfalls direkt bei Haus Hemer befand sich auch die älteste Kirche Hemers, die St. Vitus Kirche, die im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt worden war. Im Zuge der Reformation wurde sie 1567 evangelisch, musste allerdings 1818 abgerissen werden. Zu baufällig war das alte Gemäuer im Laufe der Jahrhunderte geworden. Heute erinnert an diese Kirche noch die alte Glocke der Vituskirche, die größte und älteste ihrer ursprünglich drei Glocken. Sie ist heute in der Stadtmitte am Paul-Schneider-Haus zu sehen.

Als Ersatz für die Vituskirche entstand 1818-20 die Ebbergkirche. Ihr alter Taufstein erinnert an die Vorgängerin, er wurde aus der Vituskirche übernommen. Wären damals die finanziellen Mittel reichlicher vorhanden gewesen, stünde in Hemer heute eine romantische Kirche, eine Basilika mit romanisierenden Formen und mit zwei durch eine Galerie verbundenen quadratischen Türmen. Die Pläne dafür hatte der preußische Geheime Oberbaurat Karl Friedrich Schinkel entworfen. Doch die Finanzlage der Kirchengemeinde sorgte dafür, dass ein weitaus bescheidenerer Bau entstand. Charakteristisch ist der Glockenturm mit spitzem Helm.

Sehenswert ist in Hemer das alte Amtshaus, das 1908 entstand, um einen älteren Vorgängerbau abzulösen. Es ist das einzige Gebäude im Hemeraner Gebiet, das die Formen des Neobarocks und des Jugendstils in einem Bau vereint. Das ehemalige Amt Hemer hatte hier seinen Sitz, im Keller befanden sich Arrestzellen. Heute nutzen die Musikschule und die Volkshochschule die denkmalgeschützten Räume.

Im Jahr 2010 hatte Hemer so viele Gäste wie lange nicht. Der Grund: Die 15. Landesgartenschau gastierte in der Felsenmeer-Stadt. Von April bis Oktober besuchten jeden Tag Tausende Besucher die erste Landesgartenschau des Sauerlands auf dem Gelände der ehemaligen Blücher-Kaserne am Ostrand des Stadtkerns. Sie stand unter dem Motto Zauber der Verwandlung. Ein Teil der Landesgartenschau-Fläche bleibt dauerhaft grün und dient als Sauerlandpark Hemer langfristig als innerstädtisches Erholungsgebiet.

Auch ohne Landesgartenschau, verstehen es die Hemeraner zu feiern. Neben den im Sauerland typischen Schützenfesten, sind vor allem die Hemeraner Herbsttage am letzten Septemberwochenende ein beliebtes Volksfest mit rund 100.000 Besuchern.