Haus Saargau (Gisingen)

Gisingen ist ein Ortsteil der Gemeinde Wallerfangen und liegt westlich davon, umgeben von den Höhenzügen Scheidberg (385m) südlich und Gallenberg (377m) nordwestlich. Gisingen selbst liegt auf rund 330m.

Im Ort ist eines der wenigen „Lothringer Bauernhäuser“, das Haus Saargau, zu bewundern. Dort ist eine Informationszentrale des Naturparks Saar-Hunsrück zu finden, das Lothringer Bauernmuseum sowie Räume für Ausstellungen und Veranstaltungen, Trauungen zum Beispiel. Ebenfalls sehenswert ist der Bauerngarten, der im Rahmen des Projekts Gärten ohne Grenzen zu entdecken ist.

Das Haus Saargau, auch genannt Lothringerhaus, wurde 1730 als ein in der Region typisches Bauernhaus erbaut. Das klassische Einhaus beherbergt Wohnen von Mensch und Tier sowie eine Scheune unter einem Dach. Den Haustyp findet man im Saarland nur im einstigen lothringischen Herrschaftsgebiet. Man sieht ein langgestrecktes, zweigeschossiges Gebäude mit einem sogenannten Drempelgeschoss unter dem Dach. Das sehr flache Dachgeschoss diente als Lagerraum und wird durch kleine Fensterchen belüftet. Benachbart findet sich noch ein Bauernhaus aus der Zeit um 1730. Zwei weitere sind auch in der Straße „Zum Scheidberg“ zu finden, beide im 18. Jahrhundert entstanden.

Das Lothringer Bauernhausmuseum im Haus Saargau zeigt die vorindustrielle Kultur der Saarregion. Man sieht historische lothringische Möbel aus dem 18. Jahrhundert, eine Sammlung von Ofenplatten aus dem 19. Jahrhundert mit Eisenkunstguss und weitere Exponate. Der Bauerngarten entstand 2006 als Kräuter- und Gewürzgarten. Blumen- und Kräuterduft laden auf den Bänken zum Verweilen ein. An den Garten ohne Grenzen schließt sich eine Streuobstwiese an, bei der auch Bienenvölker nicht fehlen.

In Gisingen fällt zudem die katholische Pfarrkirche St. Andreas ins Auge. Der modernere Bau wurde 1960 mit einem freistehenden Turm errichtet. Im Inneren beherbergt sie einige Kunstwerke und ein Augenmerk gilt der großflächigen Kunstverglasung. Für die war Robert „Bonifatius“ Köck, ein Konventsmitglied der Benediktinerabtei Mauritius in Tholey, verantwortlich, der einige Meisterwerke geschaffen hat, auch die Fenster der Wallerfanger St. Katharina und Barbara Kirche.

In Gisingen, nur so am Rande, wurde übrigens 1831 Mathias Dillinger geboren, der in die USA auswanderte. Sein Enkel war der erste Mensch, den das FBI als Staatsfeind Nr. 1 suchte. John Herbert Dillinger hatte eine Bankräuberbande und wurde als 31jähriger 1934 in Chicago von Agenten erschossen. Sein Kopfgeld betrug 10.000 Dollar, was in heutiger Kaufkraft etwa 180.000 Dollar entspricht.

Östlich von Gisingen, auf dem Weg nach Wallerfangen, ist der Ort St. Barbara. Von St. Barbara aus hat man einen herrlichen Ausblick auf das Saartal. St. Barbara ist bekannt durch seine Erdbeeren einerseits und schon viel länger durch den Abbau von Kupfererz. Der Emilianusstollen (nur im Rahmen von Führungen geöffnet) ist das einzige bekannte Azurit-Bergwerk aus der Römerzeit nördlich der Alpen. Das begehrte Kupfermineral Azurit war die Grundlage das Wallerfanger Blau, mit dem vermutlich auch Alfred Dürer malte.

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