Hallgarten (Rheingau)

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut WernerGutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Einer der Rheingauer Höhenorte ist das zur Stadt Oestrich-Winkel gehörende Hallgarten, ein reinrassiges Weindorf, das wahrscheinlich als Landgut des Klosters Eberbach gegründet wurde. Im Zentrum von Hallgarten erhebt sich die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, die ein interessantes Patchwork aus romanischen, gotischen, barocken und neugotischen Stilelemente zeigt.

Der älteste Teil der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ist der Wehrturm, der aus dem 12. Jahrhundert stammt. Um 1345 entstanden der Chorraum mit Kreuzrippengewölbe und eine kleine Sakristei im gotischen Stil. Der romanische Turm erhielt in dieser Zeit seinen gotischen Turmhelm. 1733 erfolgte die Erweiterung des romanischen Kirchenschiffes nach Süden und der Umbau zu einem barocken Saal. Der letzte größere Umbau fand 1895 mit der Verlängerung des Kirchenbaus nach Westen statt, bei der die große gusseiserne Empore eingebaut wurde und die Kirche ihr heutiges Aussehen erhielt.

Überregional bekannt ist die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt durch die Hallgartener Madonna, auch Madonna mit der Scherbe oder Schröter-Madonna genannt. Sie wurde um 1415 aus Ton gebrannt und hält in der rechten Hand ein Weinkrüglein, um ihr Nähe zu den Weinschrötern zu zeigen. Der Beruf des Weinschröters bestand im Umpositionieren der (vollen!) Weinfässer innerhalb der Keller und zu den Verladestationen – ein Knochenjob, für den man schon einmal gerne Unterstützung von oben erbitten möchte. Die Schröter-Madonna erlangte im 20. Jahrhundert große Bedeutung, als man anfing, sie als kunstgeschichtliches Meisterwerk von höchstem Rang einzuschätzen. Die Schwester der Hallgartener Madonna – die sogenannte Schöne Elsässerin, die wahrscheinlich aus der gleichen Form gebrannt wurde – befindet sich im Pariser Louvre.

Nicht nur in Sachen Kunstgeschichte ist Hallgarten bekannt geworden. Johann Adam von Itzstein, einer der politischen Väter der Märzrevolution (1848-49) und damit des ersten frei gewählten Parlaments in Deutschland, lud regelmäßig andere Bürgerrechtler auf sein Weingut in Hallgarten, um politische Fragen diskutieren. Das ließ sich bei Rheingauwein prächtig machen und so wurde der Hallgartenkreis zu einer der wichtigsten Keimzellen der Frankfurter Nationalversammlung, die 1849 in der Frankfurter Paulskirche die erste demokratische beschlossene Verfassung Deutschlands verkündete.

Hinter Hallgarten erhebt sich steil das Rheingau-Gebirge zur Hallgarter Zange (580m). Die Hallgarter Zange erscheint von Rhein aus gesehen als höchster Gipfel in der Umgebung, obwohl die weiter östlich liegende Kalte Herberge (619m) noch einmal gut vierzig Meter höher ist. Seit 1884 wird die Hallgarter Zange von einem Aussichtsturm gekrönt, zunächst aus Holz, dann durch einen 1906-09 errichteten Steinturm. Dieser beliebte Ausflugspunkt mit dem höchsten Biergarten im Rheingau bot die beste Aussicht über den Rheingau. Aufgrund von Fehlspekulationen sind Turm und Gastronomie seit 2003 allerdings geschlossen und verfallen nach und nach, was wirklich ein Trauerspiel ist.

Ebenfalls nicht mehr existent – allerdings auch deutlich älter – ist östlich vom Gipfel gelegende der Ringwall Hallgarter Zange. Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Ringwall um eine Fluchtstätte für die Bewohner des Klosters Eberbach. Der Ringwall bestand aus einer einfachen Trockenmauer, die sich heute noch stellenweise nachverfolgen lässt. Das Innere der Anlage ist derzeit dicht von jungem Nadelwald bestanden und somit praktisch unzugänglich.

Von der Hallgarter Zange aus westlich schließen sich Frankensteiner Rech (516m) und Rabenkopf (523m) und Grauer Stein (529m) an. Am Grauen Stein ragen einzelne Felsblöcke bis zu 10m hoch in die Höhe und sind als Naturdenkmal geschützt.

Beendet man seine Runde über die Rheingau-Gipfel und wandert zurück nach Hallgarten, kommt man über den Susberg (331m) am ehemaligen Jagdhaus Philippsburg vorbei, dass 1900 von einem Metzgermeister erbaut wurde und heute nur noch in überwachsenen Ruinen zu erkennen ist. Am Jagdhaus befindet sich heute ein Waldparkplatz, von dem man gut in den Rheinsteig einsteigen kann.

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