Oestrich (Rheingau)

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut WernerGutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Die Stadtverwaltung der 1972 gebildeten Stadt Oestrich-Winkel – zwischen Eltville und Rüdesheim direkt am Rhein gelegen – sitzt im Stadtteil Oestrich. Der kleine Ort war über Jahrhunderte ein wichtiger Wirtschaftstandort, wurden doch hier die Weinfässer mit gutem Rheingau-Wein verladen und über den Wasserweg nach Köln, Amsterdam, Bremen oder Frankfurt verschifft.

Der Bau und Betrieb eines Krans war bis ins 19. Jahrhundert ein erzbischöfliches Privileg. Es sorgte dafür, dass nur wenige Städte im Rheingau und in anderen deutschen Gegenden das Recht hatten, eine solche Verladevorrichtung zu betreiben. Im Rheingau des 15. Jahrhunderts waren lediglich Eltville, Rüdesheim und Lorch mit diesem Privileg versehen. 1744 erhielt dann Oestrich ebenfalls dieses Recht und baute einen Kran am Rheinufer. Der Oestricher Kran ist heute neben dem Rheinkran in Bingen und dem Alten Krahnen (Steinkran) zu Andernach der letzte seiner Art am Rhein.

Der Oestricher Kran ist ein Turm-Tretkran. Die aus Eichenbohlen errichtete Fachwerkkonstruktion ist 12m hoch und steht auf einem Sandsteinquadersockel von gut 16qm Fläche. Das Kegeldach mit Dachkugel und Spitze ist mit dem oberen Ende der zentralen, vertikalen Kransäule – dem Kaiserbaum – fest verbunden. An ihr ist unterhalb der Tretradachse der horizontale Drehbalken montiert, mittels dessen zwei bis vier Kranknechte den Ausleger oder Kranschnabel mit der Last und dem gesamten Antrieb drehten. Der Oestricher Kran ist heute noch prinzipiell voll funktionsfähig und ist mittlerweile als kleiner Rastplatz für den hier vorbeiführenden Radweg hergerichtet.

Der Ortskern von Oestrich gruppiert sich um den alten Marktplatz. Neben dem alten Rathaus steht hier auch die katholische Pfarrkirche St. Martin. Ältestes Bauteil ist der Kirchturm, der von einer Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Kirche selbst wurde ab 1508 neu gebaut. Aus dieser Zeit ist noch die unveränderte Südhalle vorhanden. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche niedergebrannt und dann 1648 in schlichter Form ohne die Innengewölbe wieder hergestellt.

Eines der wertvollsten Kunstwerke in der Martinskirche ist das sogenannte Erbärmde-Bild. Die Passionsdarstellung stammt wahrscheinlich aus dem frühen 14. Jahrhundert. Eine diesem Bild sehr ähnliche Christusfigur findet sich in der Darstellung des Heiligen Grabs, das auf das Ende des 14. Jahrhunderts datiert. Sehenswert sind ebenfalls die beiden Medaillonfenster der Muttergotteskapelle, die um 1500 gestaltet wurde. Das eine stellt den Kirchenpatron St. Martin dar, das andere das Wappen der Gemeinde Oestrich.