Kloster Eberbach

Oberhalb von Eltville in der Gemarkung des Stadtteils Hattenheim erhebt sich majestätisch das Kloster Eberbach, eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Hessens. Gegründet wurde es 1136 vom Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux, der dafür die Gebäude einer schon vorher existenten Augustiner- und Benediktiner-Siedlung nutzte. Mit zwölf Mönchen beginnt die Geschichte von Kloster Eberbach.

Diese lassen ab 1145 die Klosterkirche bauen. Nach der Weihe der Klosterkirche 1186, machte der Bischof von Münster, Hermann II. von Katzenelnbogen, Kloster Eberbach zu seinem Hauskloster, was viel Geld in die Kassen spülte. Um 1220 endet mit der Fertigstellung von Konversenbau und Hospitalbau die romanische Bauperiode des Klosters.

Zu dem Zeitpunkt ist Kloster Eberbach eines der größten und wichtigsten Klöster in deutschen Landen. Von hier aus werden zahlreiche Neugründungen angestoßen, z.B. 1142 Kloster Schönau im Odenwald, 1144 Kloster Otterberg in der Pfalz und 1174 Kloster Arnsburg in Oberhessen. In seiner Blütezeit im 12. und 13. Jahrhundert leben und arbeiten im Kloster Eberbach rund hundert Mönche und 200 Laienbrüder.

Im Mittelalter setzte sich der Aufschwung vor allem in ökonomischer Hinsicht fort. Die Klosterbrüder entdeckten den Weinhandel als Finanzierungsquelle und betreiben mit selbst gebauten Schiffen eine eigene kleine Rheinschifffahrt, die vor allem die Kölner Kirchenmänner und Kaufleute mit Rheingauer Stöffche versorgt.

Das damals nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde, belegt das Eberbacher Fass. Es wurde um 1500 gebaut und soll 71.000 Liter Wein gefasst haben. Im Bauernkrieg leerten 1525 die Rheingauer Bauern in gerade einmal 14 Tagen dieses sagenumwobene Fass, als sie auf der Wacholderheide vor Kloster Eberbach lagerten, um ihre Rechte zu erkämpfen. Das Kloster sollte sich verpflichten, keine Novizen mehr aufzunehmen und der Grundbesitz solle der Allgemeinheit zufallen. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, tranken sie das Eberbacher Fass „zur Ehre Gottes und der evangelischen Freiheit“ aus.

Diese Niederlage brachte Kloster Eberbach noch nicht ins Wanken, das erledigte später der Dreißigjährige Krieg. 1635 waren gerade einmal zwanzig Brüder übrig. Doch noch einmal berappelten sich die Mönche und kamen im 18. Jahrhundert aufgrund ihrer Weine wieder in gutes Fahrwasser. Die Gewinne wurden u.a. 1704-15 in die barocke Umgestaltung des Innenraums der Klosterkirche investiert.

Der endgültige Niedergang kam schließlich in der Folge der Französischen Revolution und politischen Neuordnung in Deutschland, die mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 das Kloster Eberbach aufhob. Der letzte Abt Leonhard II. Müller von Rüdesheim und seine Mitbrüder werden durch den neuen Herren – Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen – zum Verlassen des Klosters gezwungen. In der Folgezeit war Kloster Eberbach Gefängnis, „Irrenanstalt“ und Flüchtlingsherberge.

Erst in den 1980er Jahren setzt ein Umdenken ein. Das historische Erbe wurde u.a. auch durch die Tatsache ins Bewusstsein gerückt, dass der Kinofilm „Der Name der Rose“ mit Sean Connery in der Hauptrolle zu großen Teilen im Kloster Eberbach gedreht wurde. Man gründete eine Stiftung, mit dem Zweck, das Bau- und Kulturdenkmal Kloster Eberbach durch eine maßvolle, dem Ort angemessene und schonende Nutzung auf Dauer zu erhalten sowie dessen historische Weinbautradition zu bewahren.

Heute können sich Besucher ein eindrucksvolles Bild des mittelalterlichen Klosterlebens machen. Im Zentrum steht die romanische Klosterkirche auf kreuzförmigem Grundriss. Hier finden sich mehrere gotische Grabdenkmäler u.a. für Mainzer Erzbischöfe. Nördlich schließt sich der Kreuzgang an. An dessen Ostseite liegt der Kapitelsaal: Ein spätgotischer quadratischer Raum mit Sterngewölben auf Mittelsäule und restaurierten Wandmalereien.

Die Fraternei ist ein frühgotischer Raum mit schweren Kreuzgratgewölben, der seit dem Mittelalter als Weinkeller genutzt wurde. Man nannte ihn auch Cabinettkeller. Aus dieser Bezeichnung leitet sich die heute noch verwendete Qualitätsstufe Kabinett für deutsche Weine ab.

Über der Fraternei liegt das Mönchsdormitorium: Ein ca. siebzig Meter langer, frühgotischer Saal, von denen nur noch wenige in dieser Größenordnung und Qualität in Europa erhalten sind. Die spätgotische Bibliothek im Westflügel von Kloster Eberbach beinhaltet seit 1995 ein Abteimuseum. Dieses enthält das älteste innerhalb der deutschen Zisterzienserkultur erhaltene Glasfenster (um 1180), die Original-Kapitelle aus dem Kreuzgang, die durch Kopien ersetzt wurden, ferner diverse Skulpturen, Gemälde, die Bernhard von Clairvaux darstellen und barockes Mobiliar. Der sogenannte Schwedenturm dient als Treppenturm am Westflügel zwischen dem Fachwerk-Obergeschoss aus dem 14. Jahrhundert und der Bibliothek.

Bemerkenswert ist schließlich auch der Steinberg, eine der besten Weinlagen im Rheingau. Seit dem 12. Jahrhundert hatte Kloster Eberbach nach und nach Parzellen erworben und urbar gemacht. Um die Früchte der harten Arbeit vor Traubendieben zu schützen, begann man schon im 13. Jahrhundert mit der Einfriedung des Steinbergs – damals noch mit einer Hecke. Diese wurde von einer am 2. August 1767 fertiggestellten, 2.600m langen und schiefergedeckten hohen Bruchsteinmauer ersetzt. Seitdem gilt der Steinberg durch die Ummauerung als Clos.

Im Jahr 2008 wurde am Steinberg der Steinbergkeller eingeweiht. Mit Baukosten von knapp 16 Mio. Euro stellt er heute die zentrale Kellerei der hessischen Staatsweingüter dar. Der Steinbergkeller nimmt eine Grundfläche von gut 5.300qm ein und geht vom Niveau des Hofes aus mit drei Stockwerken bis 14m in die Tiefe. Der Steinbergkeller hat eine Lagerkapazität von 1.300.000 Flaschen und verfügt über 1.800.000 Liter Tankraum.

Wenige Meter vom Eingangstor des Steinberg Clos entfernt befindet sich das Schwarze Häuschen, das von Frühjahr bis Herbst als Freiluft-Ausschank dient. Von den Tischen und Bänken im Freien hat man einen weiten Blick in den Rheingau, auf das Rheintal und hinüber in die Pfalz und in den Hunsrück.

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