Eremitage (Bretzenheim)

Zwischen Guldental und Bretzenheim liegt mit der Eremitage das einzige Felsenkloster nördlich der Alpen. Die Eremitage Bretzenheim ist eine Besonderheit, die einen Besuch lohnt, trotz, dass sie öffentlich nur von außen frei zugänglich ist. Möchte man die Eremitenwohnung, das Refektorium, Küche und anderen Räumlichkeiten, die in den Fels gehauen sind, näher in Augenschein nehmen, bedarf es einer vorherigen Absprache. Die Eremitage liegt auf dem Gelände einer Diakonie-Wohnungslosenhilfe – das hat auch was!

Es ist nicht genau bekannt, wann das Felsenkloster ins Mauerwerk gestemmt wurde, es muss vor unserer Zeitrechnung gewesen sein, denn die Eremitage wurde vermutlich schon als heidnische Stätte genutzt. Bis etwa 500 waren hier die Römer und pflegten den Ort als Tempel des Mithra-Kultes. Mithras war eine römische Göttergestalt und stand für eine Personifizierung der Sonne.

In der Zeit vom 6. bis 8. Jahrhundert wurde der geschichtsträchtige und mystische Ort christianisiert. Im Jahr 1043 erfolgte erst die Erwähnung der Eremitage, da dort ein Altar geweiht worden war. Aus jener Zeit ist auch eine Kirche überliefert, die jedoch, wie auch ihre Nachfolgerin, 1567 einem Erdrutsch zum Opfer fiel. 1716 zogen dann Eremiten in das Felsenkloster ein und erbauten 1724 ein neues Gotteshaus, das 1819 wieder abgerissen werden musste aufgrund des bedrohlichen baulichen Zustands.

Dazwischen war die Eremitage ein viel frequentierter Wallfahrtsort. Übrigens war der letzte Eremit Andreas Zahn, genannt Bruder Abraham. Er verbrachte dort 51 Jahre und verstarb im stolzen Alter von 82, als er 1827 von einem Felsen stürzte. Zuvor war er noch damit beschäftigt die Bögen zuzumauern.

90qm Fläche hat die Felsenwohnung im Inneren zu bieten. Es gibt eine Klause und eine Küche mit einer Vertiefung im Boden zum Aufbewahren von Wasser. Angeschlossen ist das Refektorium, dazwischen liegt die Kapelle, die auch zeitweise als Dormitorium genutzt wurde. Imposant von außen sind auch die großen Bögen und massigen Wände mit den kleinen Fensterchen. Das Felsenkloster wurde zum Glück in den letzten Jahrzehnten vor weiterem Verfall mittels Ankern gesichert.

In den Fels wurde auch ein Ritterbildnis gehauen. Es stammt vermutlich aus der Zeit des 13. Jahrhunderts. Eine Besonderheit ist der Altar in der dreischiffigen Felsenkapelle. Er entstand 1721, wurde später in den Kirchenbau integriert und 1830 entweiht, da er als Kelter benutzt worden war. Um 1890, so legt eine der ersten Fotografien nahe, wurde die Eremitage als Ausflugsort besucht, in der Folgezeit verfiel sie mehr und mehr. Heute wird sich dem Ort wieder pflegerisch angenommen. Eine Rasthütte vor der Eremitage lässt einen gerne ein bisschen verweilen, um die Besonderheit dieser Stätte zu erspüren. Die Eremitage liegt am Weinwanderweg Rhein-Nahe.