Dauborn

Etwas abseits der Hühnerstraße im Wörsbachtal gelegen ist Dauborn deutlich über die Gemeindegrenzen von Hünfelden bekannt. Warum das so ist, mag der Außenstehende selbst testen, indem er im nördlichen Taunus oder im südlichen Westerwald nach einem Dauborner verlangt.

In so einem Fall wird kein männlicher Bewohner aus Dauborn herbeigebracht, sondern ein besonderer Schnaps kredenzt. Das Brennereiwesen hat in Dauborn eine jahrhundertelange Tradition, wurde doch in direkter Nähe im Kloster Gnadenthal bereits ab 1656 Korn gebrannt. Viele Dauborner arbeiteten in der Brennerei und brachten ihr Wissen mit, um es auch zu Hause anzuwenden. Daraus entwickelte sich eine lebhafte Industrie, die zu Spitzenzeiten Anfang des 20. Jahrhundert 99 Schnapsbrennereien umfasste. Heute sind es keine zehn, aber der Dauborner Schnaps – liebevoll auch Daubi genannt – ist immer noch eine Reise wert.

Die Kornbrennerei hat Dauborn unübersehbar Wohlstand gebracht. Das Ortsbild prägen zahlreiche und ungewöhnlich repräsentative und große Anwesen. Die Hofreiten sind meist durch einen prächtigen Torbau zur Straßenseite hin abgeschlossen. Die barocke Kirche von Dauborn liegt dagegen am Ortsrand und ist von evangelischer Sachlichkeit geprägt.

Auch der Brunnen in der Ortsmitte gedenkt dem Quell des Reichtums: Er ist in der Form einer traditionellen Dauborner-Flasche gestaltet, die ähnlich wie die Krüge für das Selterswasser aus dem Kannenbäckerland kamen.

Hier im Ortszentrum wird seit 1767 der Dauborner Markt veranstaltet. Er gilt als einer der größten Volksfeste im Untertaunus, beginnt donnerstags und endet am ersten Sonntag im September. Der Dauborner Markt ist einer der wenigen Märkte, die auch noch tatsächlich eine Großviehschau – den eigentlichen historischen Marktzweck – bis heute bieten.