Wittlich

Wittlich ist Schauplatz der Säubrennersage: Belagert von Raubrittern, soll der Wittlicher Torwächter eines Tages nicht mehr den Verriegelungsbolzen für das Stadttor gefunden haben. Er sicherte das Tor über Nacht stattdessen mit einer Möhre. Die wurde von einem Schwein gefressen und die Raubritter plünderten Wittlich. Um sich zu revanchieren, trieben später die Wittlicher alle Schweine zusammen und veranstalteten ein großes Grillfest – gebrannte Säue fressen nämlich keine Möhren mehr.

An diese Sage erinnert seit 1951 die Wittlicher Säubrennerkirmes, die am dritten Augustwochenende stattfindet. Von Freitagabend bis Dienstag werden dazu über hundert Schweine weggefuttert. Wenn nicht gerade Säubrennerkirmes ist, sind die Wittlicher aber gar nicht so bratenversessen, sondern versorgen Deutschland und die Welt mit Tiefkühlpizza. Gut tausend Mitarbeiter arbeiten im größten Pizza-Werk von Dr. Oetker in Wittlich.

Es geht in Wittlich aber nicht nur um Essen. Man kann auch einiges sehen, z.B. das Alte Rathaus mit der städtischen Galerie für moderne Kunst und die barocke Pfarrkirche St. Markus am Marktplatz. Zu den ältesten Bürgerhäusern in Wittlich zählt das Haus Daus in der Karrstraße 19-21, dessen Ursprünge im 12. Jahrhundert liegen. Seit 1587 ist es im Familienbesitz der Familie Daus. Im Kern stammt der Putzbau mit Zwillings- und Drillingsfenstern aus dem 16. Jahrhundert.

Gegenüber des Rathauses steht ein prächtiger Renaissancebau, genannt Zum Wolf, worin ein Hotel Gäste beherbergt. Es entstand als Wohnhaus für den Steinmetz-Architekten Conrad Wolf Ende des 17. Jahrhunderts. Das Haus fällt durch seine schöne Farbgebung ebenso ins Auge, wie durch die zwei nur gering hervorkragenden Erkerchen mit Dreiecksgiebeln.

Von hier aus ist es nicht weit bis zur ehemaligen Posthalterei derer von Thurn & Taxis. Das Barockgebäude entstand 1753. Die Posthalterei kommt weniger zierlich daher als das Hotel, sondern ist ein stattlicher Bau über drei Geschosse, die sich über einen kreuzgratgewölbten Keller stapeln und durch ein Mansarddach abgeschlossen werden. Sieben große Fenster zeigen die sieben Achsen des Gebäudes an, das bis 1854 als Posthalterei seinen Zweck erfüllte.

Als überlebender Zeuge der mittelalterlichen Vergangenheit erhebt sich das Türmchen in der Burgstraße. Seit 1291 ist Wittlich Stadt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts hatte es einen Mauerring, von dem heute nur noch Fragmente zu sehen und erahnen sind. Das Trierer und Himmeroder Tor wurden niedergelegt, übrig blieb zum Teil das Türmchen, das den Stadtzugang von der Neuerburg aus bewachte. Der zweigeschossige Putzbau hat eine geschweifte Haube als Dach. Aus dem früheren Wehrturm wurde ein Wohnturm mit Flurküche und Kamin.

Wendet man sich in Richtung Nordwesten, gelangt man zur Kultur- und Tagesstätte Synagoge. Das ganz besondere Kulturzentrum ist ein romanisierender Bruchstein- und Putzbau im sogenannten Heimatstil mit Jugendstilelementen, gebaut 1910, mit rechtwinkligem Hauptraum für die Männer, der Thora-Nische im Osten und der Empore für die Frauen. 1938 litt es großen Schaden und wurde 1976 als Kultur- und Tagungsstätte wieder hergerichtet. In der ehemaligen Synagoge befindet sich eine Dauerausstellung der jüdischen Geschichte Wittlichs.

Begibt man sich nun einmal diagonal durch die Stadt in Richtung Südosten in die Kurfürstenstraße, stößt man auf das Kreishaus als neobarocke dreiflügelige Anlage, erbaut zwischen 1911-13 vom Architekten Paul Schultze-Naumburg, der sich auch der Malerei und Publizistik gewidmet hatte. War er um 1900 noch beteiligt an der Reformierung von Frauenkleidung und der Abschaffung des Korsetts, ergab er sich selbst dem nationalsozialistischen Gedankengut und war Wegbereiter der damaligen Kulturideologie, geistiger Mitbrandstifter der Bücherverbrennung sowie Reichstagsabgeordneter. In Wittlich zeigen sich die Geschichtsgesichter!

Kultur findet sich übrigens auch im Stadtpark Wittlich nordwestlich des Marktplatzes gelegen. Hier finden sich sechs modernen Skulpturen, die die Fantasie des Betrachters inspirieren. Jeweils einmal jährlich, im Juni oder Juli, verwandelt sich der Stadtpark zu einer Freiluftgalerie mit der Reihe Kunst an Hecken und Zäunen. Und wem allzuviel Kunst dann doch zuviel wird, der kann im Bewegungsparcour an öffentlichen Fitness-Geräten Muskeln und Ausdauer trainieren.