Winterscheid (Ruppichteroth)

Am Westrand des Nutscheids, schon im Übergang zum Unteraggertal, liegt Winterscheid, ein Ortsteil der Gemeinde Ruppichteroth im Sieg-Bergland. Malerischer Mittelpunkt des Ortes ist der ehemalige Brandweiher, der mittlerweile schön eingefasst als Freizeitanlage gestaltet wurde.

Einen Besuch lohnt die romanische Pfarrkirche St. Servatius, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Der ursprüngliche Turm ist noch heute erhalten; das denkmalgeschützte Kirchengebäude selbst wurde über die Jahrhunderte mehrfach renoviert, verändert und vergrößert. Die Malereien im Innenraum stammen von 1929. Auf dem Kirchengelände befindet sich außerdem eine kleine Lourdes-Grotte.

Ebenfalls in Winterscheid liegt die denkmalgeschützte Wendelinuskapelle, ein Bruchsteinbau aus dem 19. Jahrhundert. Das ursprüngliche Heiligenhäuschen für den heiligen Wendelin errichtete um 1806 ein Schreiner aus Winterscheiderbröl. Schon bald pilgerte die örtliche Landbevölkerung zu diesem Heiligtum. 1840 wurde das zu klein gewordene Heiligenhäuschen abgerissen und durch die heutige Wendelinuskapelle ersetzt.

Wer von Winterscheid südwärts Richtung Sieg wandert, kommt am Rennenberg (164m) kaum vorbei, der oberhalb der Einmündung des 8km langen Derenbach in die Bröl liegt. Auf dem Rennenberg wurde 1788 das Rennenbergkreuz errichtet, ein hölzernes Wegekreuz. Es diente einst der Orientierung: Die beiden Bachtäler waren zur damaligen Zeit versumpft und kaum passierbar. An der Stelle, wo der einzige Weg durch das Tal den Höhenweg nach Winterscheid traf, steht das Kreuz. Der Sage nach soll hier ein Jäger, der einst ohne Beute von der Jagd zurückkam, aus Wut auf das Kreuzbild geschossen haben. Er wurde zur Strafe an Ort und Stelle vom Schlag getroffen. Angeblich hört man ihn noch heute manchmal durch den Forst jagen.

Auf einem Nebengipfel des Rennenbergs liegt auf 153m ü. NN die Rennenburg, eine denkmalgeschützte frühmittelalterliche Ringwallanlage. Der steile Bergsporn, der sich gut 70m über den Talgrund erhebt, wurde spätestens seit der späten Eisenzeit von den Kelten genutzt, wie archäologische Funde belegen. Vermutlich um das 10. Jahrhundert wurde ein Ringwall als Fliehburg für die Landbevölkerung angelegt. Der Wallring war zwischen 120m und 180m breit. Der Schildwall war bis zu 4m hoch; davor waren ein 6m breiter, mehrere Meter tiefer Graben und ein zusätzlicher, flacherer Erdwall angelegt. An seinem nördlichen Ende lag wahrscheinlich ein steinerner Wachtturm.

Möglicherweise noch älter ist die Teufelskiste, ein rund 5m langer, bis zu 2,50m breiter und etwa 1,20m hoher Felsblock mitten im Wald nahe dem Weiler Beiert, der schon auf der anderen Seite der Bröl liegt. Man munkelt auf dem Nutscheid, dass einst der Teufel gegen die wackeren Bürger im Bröltal kämpfte und nur mit Hilfe des Erzengels Michael bezwungen werden konnte. Anschließend kettete man ihn in einem Loch an und legte oben drauf einen zwanzig Tonnen schweren Stein – die Teufelskiste eben.

Auf der Höhe bei Beiert wurde nicht nur gekämpft. Hier liegt auf 170m ü. NN neben einem kleinen Dorf auch der denkmalgeschützte Beierter Hof von 1299, ehemaliges Lehen von Drachenfels an die Grafen von Berg. Von der Höhe aus hat meinen einen guten Blick auf Burg Herrnstein im Osten. Hier steht auch die Beierter Kapelle mit einer Holzstatue des heiligen Laurentius aus dem Jahr 1767.

Nordöstlich von Winterscheid oberhalb des Dorfes Hatterscheid stand früher das Rittergut Bettringen. Das kleine Herrenhaus wurde 1436 erstmals erwähnt, als Wilhelm von Nesselrode es als Anteil an Burg Herrnstein erwarb. Gut Bettringen blieb über die Jahrhunderte im Besitz der Grafen von Nesselrode. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es als Forsthaus genutzt. Von 1961-64 stand es leer, dann begann man mit dem Abbruch. Heute sind nur noch einige Fachwerk-Mauerreste zu sehen.

In Winterscheid wird noch eine alte Tradition gepflegt: Das Klaspern. Jedes Jahr von Gründonnerstag bis Ostersamstag schweigen die Kirchenglocken, weil sie der Überlieferung nach in Rom sind. Stattdessen ziehen an diesen Tagen Schulkinder mit Klaspern, einem kleinen Holzbrettchen mit Griff und beweglichem Holzklöppel, durch den Ort, um Messen und Andachten anzukündigen.

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