Westig

Westig ist einer der größeren Ortsteile der Stadt Hemer und liegt im Westen des Stadtgebiets, an der Grenze zu Iserlohn. Durch den Ort fließt der Westiger Bach, teils offen, teils verrohrt, der beim benachbarten Ortsteil Sundwig in die Oese mündet, einem knapp 20km langen Nebenfluss der Hönne.

Vor allem für Architekturfreunde lohnt sich der Besuch in Westig. Direkt in der Hauptstraße befindet sich der ehemalige Bahnhof Westig, ein wirklich sehenswertes Gebäude, der letzte in seiner ursprünglichen Form erhaltene Vertreter seiner Art. Die Nebenbahnhöfe der Bergstrecken wurden in wilhelminischer Zeit gern in dieser eigentümlichen Mischung aus verschiefertem Fachwerk und Jugendstil erbaut. Der Westiger Bahnhof ruht als Fachwerkbau auf einem aus Bruchstein gemauerten Sockel, und das Dach zeigt eine überraschende Formenvielfalt. 1989 wurde die Bahnstrecke stillgelegt, seitdem wird das Bahnhofsgebäude anderweitig genutzt.

Sehr hübsch ist auch das ehemalige Stellwerk Westig ganz in der Nähe, ein kleiner schwarz-weißer Fachwerkbau auf rotem Backsteinsockel, der heute als Werkzeuglager dient.

Zentrum des Ortsteils Westig ist eine große Grünfläche, der Gockelsche Park, benannt nach einem Fabrikanten namens Gockel. Ursprünglich hatte am Rand des Parks eine Villa aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert gestanden, lange Jahre Wohnsitz der Familie Gockel. Doch sie war baufällig geworden und wurde 1964 abgerissen. An die Stelle der Villa Gockel trat ein evangelischer Kirchenneubau, den man schon seit 1903 vorhatte. Zwei Weltkriege und die galoppierende Inflation sorgten allerdings für finanzielle Probleme, so dass der Bau erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Angriff genommen werden konnte. 1964 legte man den Grundstein.

Thomaskirche nannte man die architektonisch ungewöhnliche Kirche, einen Mix aus traditioneller Basilika und Zentralbau. Besonders fallen die Fenster zu beiden Seiten auf. Die Hagener Künstlerin Roswitha Vombek-Lüder nahm bei deren Gestaltung Bezug auf die Thomasgeschichte des Neuen Testaments. Weithin sichtbar ist auch der ungewöhnliche pyramidenförmige Turm. Seit 2007 wird das Gebäude von der hiesigen Baptistengemeinde genutzt.

Optisch völlig konträr wirkt hingegen die katholische Pfarrkirche St. Petrus Canisius mit ihrem bulligen Turm, die 1931 geweiht wurde. Die meisten der heute noch vorhandenen Teile der Innenausstattung kamen allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach hinzu. 1954 erhielt die Kirche ihren charakteristischen weißen Putz. Der Altaraufsatz im neugotischen Stil kam sogar erst 1978 nach einer größeren Renovierung hinzu.