Walsdorf (Idstein)

Folgt man von Bad Camberg aus dem Verlauf der Bundesstraße 8 in Richtung Königstein im Hochtaunus, so wird jeder Vorbeireisende schon ab Ortsausgang Würges die beeindruckende Fachwerkfassade von einem guten Dutzend Scheunen nicht übersehen können, die sich über dem Emsbachufer erheben. Wir sind in Walsdorf, einem Stadtteil von Idstein, der 774 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Durch Waldsdorf fließt von Süd nach Nord der Knallbach, der den alten Ortskern zu umfließen scheint und der dort in den Emsbach mündet, der im Osten nur wenige Meter von der beeindruckenden Scheunenbebauung fließt. Die Morcher- und die Walkmühle liegen hier direkt am Emsbach.

Die Bebauung innerhalb der Ringmauer steht komplett unter Denkmalschutz. Die gradlinige Untergasse, die auch Stracke Gasse genannt wird, ist als Hauptverbindung zwischen dem ehemaligen Ober- und Untertor die wichtigste innerörtliche Achse. Hier finden sich überbaute Hoftore, Erker mit Hauben und viele historische Gebäude städtischer Prägung dicht aneinander gereiht. Ein kleines eingeschossiges Massivgebäude mit großformatigen Fensteröffnungen am Obertor enthält eine der wenigen erhaltenen Dorfschmieden. Ein Blech-Aushängeschild mit Pferd und Hufeisen macht die Hufschmiede kenntlich.

Die evangelische Pfarrkirche liegt im nördlichen Ortsbereich, erhöht auf einem von Stützmauern gesicherten Kirchhof und war ehemals dem heiligen St. Vinzenz geweiht. 1396 wurde hier eine Marienkapelle erstmalig erwähnt. Um wird eine Kirche erbaut, 1644 zerstört und 1652-63 wiederaufgebaut. Der wehrhafte Westturm mit Spitzhelm geht aber möglicherweise noch auf das 14. Jahrhundert zurück.

Die heutige spätgotische evangelische Christuskirche, deren Schiff leicht aus der Turmachse gedreht ist, besitzt im Chor ein sehenswertes Sterngewölbe. Zwei Schlusssteine stellen das Veronikatuch bzw. den nassauischen Löwen dar. Weitere sehenswerte Ausstattungen sind das Sakramentshäuschen mit Maßwerk, die Bemalung im Kirchenschiff, die dreiseitigen Emporen von 1661, 1668 und 1731 mit Malereien und Sprüchen, die Kanzel von 1658 und eine Kreuzigungsgruppe von 1658 aus Holz mit Maria und Johannes als Relief.

Vom ehemaligen 1156 gegründeten Mönchskloster, das später in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt und 1634 von spanischen Truppen geplündert wurde, gibt es allerdings keine Spuren mehr. Die alte Schule wurde 1824 nach Abtragung der letzten Reste der Klosterruine an deren Stelle erbaut und ist heute zu Wohnzwecken ausgebaut. Es handelt sich um einen frühen nassauischen Schultyp in schlichten klassizistischen Formen, der sich durch die symmetrische siebenachsige Hauptfassade auszeichnet.

Beim ehemaligen evangelischen Pfarrhof handelt es sich um das Pfarrhaus aus dem 18. Jahrhundert mit Scheune, die heute als Gemeindehaus dient und den Abschluss der Untergasse bildet. Die Südwestecke sitzt im Obergeschoss auf der Kirchhofmauer auf und die über dem abfallenden Gelände hoch aufragende, wohlerhaltene Scheune setzt einen markanten Akzent am nördlichen Ortsrand von Walsdorf.

Die Reste der ehemaligen Stadtmauer sind gleich an mehreren Stellen noch zu sehen. Vor allem das Wahrzeichen Walsdorfs, der Hutturm aus dem 14. Jahrhundert und zwei weitere Türme sind bestens erhalten. Beim Hutturm handelt es sich um einen hohen gotischen Rundturm, der mit der Stadtmauer zwischen 1358 und 1393 erbaut wurde. Der 24m hohe Hutturm bildet den südwestlichen Eckpunkt der ehemaligen Stadtbefestigung und ist weithin sichtbares Wahrzeichen von Walsdorf. Dabei kommt die Bezeichnung Hut von behüten, also bewachen.

Die beeindruckende Scheunenfront, die von der B 8 aus zu sehen ist, stammt allerdings erst aus dem 19. Jahrhundert. Bereits 1730 wurde das erste Haus vor die Stadtmauern gebaut, die in dieser Zeit bereits an Bedeutung und Funktion verloren hatte. Nach dem letzten Brand Walsdorfs von 1831 hat man kurzerhand auf der alten Stadtmauer die neuen Scheunen errichtet. Das Ensemble, der heute zum Teil zu Wohnhäusern umgebauten Scheunen, vermittelt den Eindruck einer einheitlichen Fachwerkbebauung und ist ebenfalls ein Wahrzeichen Walsdorfs.