Waldgirmes

Der historische Fachwerkort Waldgirmes wurde schon im Jahre 771 erstmalig urkundlich erwähnt. Heute ist Waldgirmes ein Ortsteil der Gemeinde Lahnau im Gleiberger Land, nordwestlich von Wetzlar gelegen. Gute zweitausend Jahre früher sah das anders aus. Da war Waldgirmes kein Ortsteil, sondern Waldgirmes war der Ort, der Einzige weit und breit.

Die Römer waren damals damit beschäftigt, in Waldgirmes eine befestigte Stadt aufzubauen: Roms Außenposten an der Lahn. Die verheerende Niederlage im Teutoburger Wald und die darauf einsetzende Verunsicherung im Römischen Reich führten allerdings zur Einstellung des Projekts Römerstadt Waldgirmes.

Heute kann man sich über das Römische Forum Lahnau-Waldgirmes vor Ort informieren. Die Reste der römischen Stadt in Waldgirmes gelten als ältestes Zeugnis für Steinmauern in Germanien. Bis heute wurde hier seit den 1980er Jahren eine fast 8ha große Stadt aus der Zeit des Kaisers Augustus ausgegraben. 2000 Jahre alte germanische und römische Keramiken waren die ersten Funde in Waldgirmes, der bis heute bedeutendste Fund ist ein lebensgroßer Pferdekopf.

Das Heimatmuseum Waldgirmes zeigt vor allem die neuere Geschichte. So sind eine Schmiede und eine Schuhmacherwerkstatt, landwirtschaftliche Geräte und auch eine Spinnerei Teil der Ausstellungen. Sehenswert ist auch das Museumsgebäude selber, das 1840-41 als Schulhaus mit Lehrerwohnung errichtet wurde.

In direkter Nachbarschaft zum Heimatmuseum liegen einige historische Fachwerkgebäude und die aus dem 14. Jahrhundert stammende evangelische Kirche mit dem welschen Dachreiter aus dem 17. Jahrhundert.

Verlässt man Waldgirmes nach Norden über die Landstraße nach Rodheim-Bieber, kommt man am Königstuhl (348m) vorbei. Rund um den Gipfel erstreckt sich ein weitläufiges Waldgebiet, Ziel für viele örtliche Wanderwege. Rund 250m östlich vom Königstuhl liegt die Sternschanze: Erdwälle einer Befestigung aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-63).