Wahlscheid (Lohmar)

Bei Wahlscheid – seit 1969 Teil der Stadt Lohmar – schlägt die Agger einen markanten Bogen, der den Einstieg ins Wandergebiet Unteraggertal markiert. Rechts und links des Flusslaufs wurde in den 1990er Jahren die Auenlandschaft der Agger naturnah zum 16ha großen Landschaftsgarten Aggerbogen gestaltet. Mehrere renaturierte Bachläufe fließen im Bereich des Naturschutzgebietes der Agger zu. Alleenartig angeordnete Bäume entlang des Flusslaufs, Baumgruppen, markante Einzelbäume und steile, bewaldete Berghänge prägen die Landschaft. Ergänzt wird der Landschaftsgarten Aggerbogen durch eine Aggerbrücke, von Schafen beweidete Wiesen, Feuchtbiotope, Fluträume und Hecken. Spazier- und Wanderwege führen durch die frei zugängliche Landschaft.

Seit 1992 gibt es im Landschaftsgarten Aggerbogen die Naturschule Aggerbogen, in der Umweltbildung gelehrt wird. Die Angebote für Schulklassen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene umfassen u. a. Wassergütebestimmung, Bootstouren auf der Agger und geführte Wanderungen in der nahen Natur. Dabei wird Interessantes zu Pflanzen und Tieren, zum Gärtnern, zur Honiggewinnung und zu altem Handwerk vermittelt. Die Naturschule Aggerbogen wird vom NABU Rhein-Sieg unterstützt.

Die markanteste Sehenswürdigkeit in Wahlscheid ist die evangelische Bartholomäuskirche, auch Kirche auf dem Berge genannt. Das denkmalgeschützte Kirchengebäude wurde 1166 erstmals in einer Urkunde der Abtei Michaelsberg in Siegburg erwähnt. Das Aggertal war zu der Zeit Sumpfgebiet, so dass die Kirche nur auf einer Anhöhe errichtet werden konnte. Bis zur Reformation stellte das Kloster Steinfeld in der Eifel den Pfarrer, danach wurde Wahlscheid evangelisch. Von der ursprünglichen romanischen Kirche ist heute nur noch das Taufbecken erhalten; das baufällige Kirchengebäude wurde 1817 durch einen Saalbau im spätbarocken Stil mit farbig bemalter Holzdecke ersetzt und 1870 auch der Turm neu gebaut.

Direkt an der evangelischen Bartholomäuskirche steht die Alte Femelinde, eine 450 Jahre alte Sommerlinde. An ihr wurden einst Versammlungen und Märkte abgehalten sowie Recht gesprochen. Das Naturdenkmal gilt als ältester Baum des Rhein-Sieg-Kreises. Die Alte Femelinde ist ca. 12m hoch und hat einen Kronendurchmesser von ebenfalls 12m. Ihr fast vollständig ausgehöhlter Stamm wird durch starke Stahlstäbe gestützt.

Das evangelische Pastorat in Wahlscheid, das ebenfalls denkmalgeschützte Pfarrhaus der Bartholomäuskirche aus dem Jahre 1624, steht 2km von dieser entfernt im Tal nahe der Agger. Noch bis ca. Mitte des 20. Jahrhunderts wohnte hier der Pfarrer mit Familie und betrieb Landwirtschaft auf dem Hofgut. Das gut erhaltene Fachwerkhaus mit Walmdach und kleiner Remise sowie die große alte Kastanie direkt daneben laden den Wanderer zum Verweilen ein.

Die alte Bürgermeisterei Münchhof, eine ehemalige Hofanlage in der Münchhofer Straße von Wahlscheid, steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts beim damaligen Dorfzentrum um die evangelische Bartholomäuskirche errichtet. Der Münchhof war im gesamten 19. Jahrhundert Wohnsitz der jeweiligen Bürgermeister von Wahlscheid, die alle aus der gleichen Familie stammten. Seinen Namen erhielt der heutige Ortsteil Münchhof übrigens durch die Tatsache, dass Mönche des Klosters Steinfeld in der Eifel hier seit dem 12. Jahrhundert einen Mönchshof betrieben.

Der denkmalgeschützte Bahnhof Wahlscheid wird seit der Stilllegung der Bahnstrecke als privates Wohnhaus genutzt. Wahlscheid lag einst an der historischen Aggertalbahn. Mit deren Stilllegung 1962 verlor das im Jahr 1884 errichtete Gebäude seine Bedeutung.

In Schönenberg östlich von Wahlscheid steht das Heimatmuseum und Backhaus Oberdörster. Es entstand aus privater Initiative in den Wirtschaftsgebäuden des Hofes Oberdörster. Zu sehen sind alte Möbel aus dem Familienbestand, Werkzeuge und landwirtschaftliche Maschinen sowie eine Schuhmacher- und Sattlerwerkstatt. Daneben gibt es einige „museumsreife“ Motorräder, eine Schule „wie sie früher war“ und ein altes Mühlen-Mahlwerk.

Schon zu Zeiten der alten Römer wurde bei Wahlscheid Bergbau betrieben; abgebaut wurden insbesondere Blei-, Kupfer- und Zinkerze sowie Schwefelkies. Der aufmerksame Wanderer wird rund um Wahlscheid zahlreiche Überreste von Erzbergwerken und Verhüttungsanlagen finden. Eines davon ist die 1918 geschlossene Grube Pilot, eine Kleingrube im Kirchbachsiefen mit eigener Erzaufbereitungsanlage, in der das Erz für die Schmelze vorbereitet wurde. Das Stollenmundloch sowie ein 3m langer Grubenbau wurden zwischenzeitlich wieder freigelegt. Die Grube Pilot verfügt über einen kurzen Schaustollen mit Schautafel, auf der sich der Besucher über den Wahlscheider Erzbergbau informieren kann.

Höhepunkt des Veranstaltungsjahres von Wahlscheid ist die traditionelle Kirmes im August. Nicht nur, dass viele Besucher kommen: Der Kirmesmontag – letzter Montag im August – ist zugleich der höchste Feiertag in Wahlscheid. Anstelle eines Rosenmontagsumzug wird hier am Kirmesmontag das Schürreskarrenrennen veranstaltet – selbst das Fernsehen berichtet davon! Ein Schürreskarren ist die Bergische Variante einer Seifenkiste: Eine möglichst originell gestaltete Holzschubkarre, die man nach getaner Kirmes auch noch für den Transport sperriger Lasten einsetzen könnte.

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