Kloster Steinfeld

Auf einer Anhöhe über der Urft steht eine der kunsthistorisch bedeutendsten Klosteranlage der Eifel: das Kloster Steinfeld mit seinem wehrhaften doppeltürmigen Westwerk und dem markanten Vierungsturm der Basilika. Im Hauptgang der prächtig ausgestatteten Kirche ist das Grab des heiligen Hermann Joseph aus Urfter Marmor mit einer wohl gestalteten Alabasterfigur. Ihm schenken die Wallfahrer stets gerne Äpfel aufgrund einer Legende. Kloster Steinfeld ist ein Etappenziel des Eifelsteigs.

Die Anfänge des Klosters Steinfeld, welches mit einigen Häusern den gleichnamigen Ort bildet, liegen um das Jahr 920. Bereits im 11. Jahrhundert wurde der malerisch einsame Flecken zu einer Klosterniederlassung und etwa um 1130 wurde es von Prämonstratensern betreut. Was die Klosteranlage nach wie vor so fantastisch macht ist, dass sie zu keiner Zeit von Zerstörung oder Niedergang betroffen war, sodass sich das Auge des Betrachters an nahezu unzähligen baulichen Schätzen wie auch Ausstattungsstücken aus über 900 Jahren erfreuen kann. Einziger Einschnitt war die Säkularisierung. Im Nachgang übernahmen die Salvatorianer 1923 das Kloster und retteten es vor dem Verfall. Ein Internat wurde eingerichtet. Wegen mangelnder Schülerzahl schloss dieses jedoch zum Schuljahr 2013.

Um drei Höfe gruppieren sich in einer harmonischen Geschlossenheit die Klostergebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert, umgeben von einer die Abtei schützenden Mauer. Den Status Abtei erhielt das Kloster bereits 1184. Mit dem Bau der Abteikirche Steinfeld wurde 1142 begonnen. Die Pfeilerbasilika zeigt sich lang gestreckt und dreischiffig mit einem Querhaus und dem charakteristischen achteckigen Vierungsturm. Baulich entspricht die Kirche der Zeit der Hochromanik. Im Inneren wird diese massive Architektur durch filigrane Fresken geziert. Es gibt so viel zu sehen, dass man sich für die Basilika recht viel Zeit nehmen sollte.

Der Freskenschmuck ist unvergleichlich reichhaltig und das älteste Wandbild findet sich in der Ursulakapelle. Das Fresko stammt aus dem Jahr 1170 und zeigt Jesus lebensgroß in der Mandorla (Bezeichnung für eine Aura um eine Figur). Um seine Gewandung herum wickelt sich schwungvoll ein Mantel, um seinen heiligen Glanz wenden sich ihm Engel zu und auch Tiere mit Engelsflügeln, die Evangelistensymbole, die heilige Ursula und Jungfrauen in züchtig langen Gewändern.

Man sollte gleich mehrmals einen Kunstrundgang unternehmen, damit einem nichts entgeht und man die Malereien thematisch betrachten kann, wie beispielsweise die Figuren auf den Pfeilern und Bögen. Da wären die Muttergottes und der heilige Potentius im monumentalen Stil (13. Jahrhundert), ebenfalls der Gotik gehört die Kreuzigungsgruppe an. Obacht auf den Teufel mit der Schriftrolle, der alle Sünderlein notiert und ihm gegenüber schreibt ein Engel diejenigen auf, die reinen Herzens sind und fromm.

Eine ganz fantastische Arbeit ist auch das Chorgestühl, das im 15. Jahrhundert in der Basilika seinen Platz fand und im 17. Jahrhundert erneut bearbeitet wurde. Aus der Anfangszeit sind die spätgotischen geschnitzten Darstellungen von Pflanzen und Tieren, tanzende Teufel und fabelhafte Wesen.

Ordentlich Glanz in die Augen bekommt der Betrachter, wenn sich die üppige barocke Ausstattung darin widerspiegelt. Die geschmückten Altäre, die reichhaltig geschnitzte Kanzel, die Beichtstühle sowie die König-Orgel. Diese ist ein erhabener Augen- und Ohrenschmaus! Die Orgel wurde von Balthasar König aus Bad Münstereifel 1727 vollendet und erhielt durch ihn 29 Register. Eine spätere Erweiterung auf 46 Register fiel der Zeit zum Opfer und nach einer aufwändigen Sanierung 1981 erklingt sie im ursprünglichen barocken Gewand und ist eine der bedeutendsten Orgeln des rheinischen Barock.

Die Äpfel am Grab des Hermann Joseph gehen auf die Legende zurück, dass Hermann als Bub mit einer Madonnenfigur nebst klein Jesus auf dem Arm gespielt hat und dem Kind einen Apfel reichte. Jesus nahm ihn an und seine Mutter neigte sich Hermann zu. Das Wunder verschaffte dem späteren Priester den Zweitnamen Josef.

Eine ganz andere Geschichte erzählt der sehenswerte Kreuzgang, der zwischen 1495 und 1557 errichtet wurde, mit dem sterngewölbten Brunnenhaus und romanischer Brunnenschale (13. Jahrhundert). Einst beherbergte der Kreuzgang einen absolut einmaligen Schatz in Form von 269 großen Glasmalereien aus dem 16. Jahrhundert im Stil der Frührenaissance. 1785 aufgrund von Krieg ausgebaut, um sie zu schützen, wurden sie versteckt und gerieten auf rätselhafte Weise nach London ins Victoria and Albert Museum, wo sie 1929 gefunden wurden. Von der prachtvollen Arbeit der erwähnten Kölner Werkstatt kann man sich jedoch in der Schlosskirche Schleiden einen Eindruck machen, denn dort sind noch zwei Glasgemälde aus Köln zu sehen.

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