Voßwinkel

Ganz im Nordwesten des Arnsberger Stadtgebiets liegt der Ortsteil Voßwinkel. Mehrere kleine Bäche fließen von Südwesten kommend durch Voßwinkel und von hier der Ruhr zu. Die wichtigste Sehenswürdigkeit in Voßwinkel ist das Wasserschloss Höllinghofen. Eine erste Erwähnung aus dem Jahr 1036 für das Schloss ist unter Historikern umstritten. Unstreitig hingegen ist, dass das malerisch gelegene Schloss absolut sehenswert ist und sich als Kulisse im Märchenfilm hervorragend machen würde.

Über die frühe Baugeschichte des spätmittelalterlich wirkenden Schloss Höllinghofen ist wenig bekannt. Vermutlich entstand das heutige Gebäude im Wesentlichen Mitte des 18. Jahrhunderts nach einem Brand. Die vielgliedrige Dachlandschaft mit ihren steilen Sattel- und Walmdächern geht zurück auf einen größeren Umbau 1863-65 in späthistoristischem Stil. In dieser Phase wurde auch der Turm im Eck zwischen West- und Südflügel errichtet. Der dritte Flügel und der viereckige Turm an der Nordwestecke entstanden 1920. Das Renteigebäude im Norden des Schlosses wurde 1833 in klassizistischem Stil errichtet, die neuromanische Benediktuskapelle in den 1920er Jahren.

Schloss Höllinghofen ist in Privatbesitz und kann nur von den umliegenden Wanderwegen aus betrachtet werden. Seit den 1960er Jahren gehört Schloss Höllinghofen mit seinem 7ha großen historischen Park der Familie von Boeselager, die auch Mitinhaber des nahegelegenen Wildwald Voßwinkel sind. Ebenso wie das Schloss Herdringen wurde das Wasserschloss Höllinghofen in den 1960er Jahren als Kulisse für verschiedene Edgar-Wallace-Filme in Szene gesetzt.

Noch eine zweite Burganlage gibt es auf Voßwinkeler Gebiet, die allerdings deutlich weniger ins Auge fällt. Am Zusammenfluss von Oestingensiepen und Nebensiepen stand eine mittelalterliche Turmhügelburg, die wahrscheinlich auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückgeht. Hünenbräuken wird die Anlage genannt, die aus einem Turmhügel, auch Mottenhügel genannt, und einem umgebenden Halsgraben bestand. Gräben sicherten auch die südlich gelegene Vorburg.

Ganz im Westen von Voßwinkel endet nicht nur das Arnsberger Stadtgebiet, sondern auch gleich noch der Hochsauerlandkreis. Drei Kreise treffen sich hier an einem Punkt: Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis und Kreis Soest. So erklärt sich der Name Dreikreisepunkt, der seit 1970 durch einen Schnadestein und seit 2008 durch einen Gedenkstein und eine Sitzbank markiert ist.

Im Zentrum Voßwinkels ist die katholische Pfarrkirche St. Urbanus zu finden, die 1214 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der heutige Bau ist allerdings bereits der dritte. Die erste Kirche aus dem 13. Jahrhundert war um 1420 niedergebrannt worden, die zweite von 1425 brannte im 18. Jahrhundert ebenfalls ab. Die dritte Kirche, die man heute sehen kann, entstand 1750-65. Als die Gemeinde im späten 19. Jahrhundert und danach weiter wuchs, wurde die Kirche mehrfach erweitert.

Neben dem barocken Hochaltar ist die frühgotische Madonna mit dem Christuskind im Schoß ein bemerkenswertes Detail. Sie stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Ebenso interessant ist die Strahlenkranzmadonna aus dem späten 15. Jahrhundert. Beide Madonnen sind im Original im Diözesanmuseum Paderborn untergebracht, hier in der St. Urbanus Kirche stehen Kopien. Anders als in anderen Kirchen wurde keine historische Ausmalung restauriert, sondern eine neue angefertigt. Die modernen Malereien stammen aus dem Jahr 2003.

Sehr schön erhalten ist das katholische Pfarrhaus gegenüber der Urbanuskirche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das zweigeschossige Gebäude trägt ein Krüppelwalmdach und zeigt außer an der schiefergedeckten Westseite sehr schöne, detailreiche Fachwerkfassaden.

Wie sehr der katholische Glaube den Ort Voßwinkel prägt, zeigen auch die zahlreichen Kapellen, der Kreuzweg und die große Anzahl an Wegekreuzen. Allein sechs kleine Wegekapellen sind als Denkmäler ausgewiesen, darunter St. Benediktus bei Schloss Höllinghofen aus dem Jahr 1923. Der Kreuzweg, die Sieben Fußfälle, entstand Anfang des 19. Jahrhunderts und besteht aus sechs schlichten Stelen und einem Hochkreuz. Zwischen Voßwinkel und Echthausen stehen entlang des Fußweges gleich vier Wegekreuze, die von der Mitte des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden.

Auf der Gemarkung von Voßwinkel befindet sich der tiefste Punkt des Hochsauerlandkreises. Wer trotzdem hoch hinaus will, kann ganz am nördlichen Rand von Voßwinkel den Flugplatz Arnsberg-Menden ansteuern. Hier fliegen zwar in der Regel nur private Firmenjets, aber man kann sich in einer angegliederten Flugschule im Zweifelsfall für den Pilotenschein qualifizieren.

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