Rauenthal (Rheingau)

Am westlichen Ufer der Walluf liegt der höchstgelegene Weinbauort des Rheingaus, der Eltviller Stadtteil Rauenthal. Die Gemarkung erstreckt sich etwa von der Bubenhäuser Höhe (268m) bis hinauf zum Hansenkopf (495m). Die Bubenhäuser Höhe ist heute ein beliebter Aussichtspunkt über das Rheintal und die tiefer gelegenen Rheingauorte. Der Rheinsteig führt ganz in der Nähe auf seinem Weg von Schlangenbad zum Kloster Eberbach vorbei.

Die katholische Pfarrkirche St. Antonius Eremita im Ortskern von Rauenthal wurde 1468-91 erbaut. Schon vorher gab es eine Kapelle, von der heute noch der wehrhafte Turm erhalten ist. Das bedeutendste Kunstwerk der Kirche ist eine aus Lindenholz geschnitzte Traubenmadonna aus der Erbauungszeit. Genauso alt ist der oktogonale Taufstein.

Direkt im Walluftal liegt das Kloster Tiefenthal, ein Bildungs- und Exzitienhaus der Dernbacher Schwestern aus dem Westerwald. Das Kloster Tiefenthal wurde Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet und zuerst von Prämonstratenserinnen bewohnt. Ab 1242 unterstand das Kloster dem Zisterzienserkloster Eberbach. Nach der Säkularisation 1803 übernahmen 1898 die Dernbacher Schwestern das Kloster. Im Zweiten Weltkrieg wurde es beschlagnahmt und die SS richtete eine Spionageabteilung ein. Das führte zur Bombardierung und Kloster Tiefenthal brannte bis auf die Grundmauern nieder. Das heutige Anwesen strahlt daher keinen historischen Glanz mehr aus.

Folgt man vom Kloster Tiefenthal der Bundesstraße B 260 Richtung Rhein, ist man direkt in Martinsthal, das wie Rauenthal 1977 nach Eltville eingemeindet wurde. Der bekannte Weinort liegt direkt im tief eingeschnittenen Walluftal. Sehenswert ist die ehemalige gotische Pfarrkirche St. Laurentius und Sebastianus. Sie diente bis 1964 als Gotteshaus und wurde 2004 umgewidmet zur Kulturkirche Martinsthal, oder kurz: KukMal. Schön auch der Marktplatz mit dem ehemaligen Rat-, Back- und Wirtshaus, ein reich geschmückter Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert. Vor dem Haus steht der Martinsthaler Stehkragenwinzers. Er zeugt vom Stolz und Selbstverständnis der Martinsthaler Winzer.

Westlich von Rauenthal und Martinsthal erstreckt sich der Eltviller Stadtwald. Ein Stück des Walds – die Naturwaldzelle Alte Burg – wird seit über fünfzig Jahren nicht mehr bewirtschaftet, hier hat die Natur das Sagen. Mächtige Eichen und Buchen stehen in einer Krautschicht, die aus über achtzig Arten gebildet wird. Die Naturwaldzelle liegt an der Eltviller Salzquelle, einem kleinen Brunnen, um den herum sich ein schöne Vegetation salzliebender Pflanzen wie der Knotenblütige Sellerie (Apium nodiflorum) gebildet hat.

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