Ortenberg (Hessen)

Ortenberg, eine kleine Stadt im Niddertal, ist erkennbar mittelalterlich strukturiert. Anfang des 13. Jahrhunderts wurden wahrscheinlich Stadtrechte verliehen und die Umwallung geschaffen. Das Zehntgericht, Messen wie Märkte machten die Stadt zu einem zentralen Punkt in der Wetterau.

Was aus alter Tradition noch gepflegt wird, ist der Kalte Markt, der erstmalig 1422 stattfand. Über 700 Jahre Tradition machen den Kalten Markt mittlerweile zu einem der größten Volksfeste in Oberhessen. Rund 400 Stände plus Vergnügungspark locken Tausende ins Niddertal, wenn es alljährlich am letzten Wochenende im Oktober heißt: „Wann ess Juhr seim Enn Zougitt, kahn Schdomp mieh uff de Felder schditt (...) unn ess Wärrer iwerzwerch, dann ess Mährt enn Otteberch“.

Das Altstadtbild Ortenbergs wird vom Obertor überragt. Der Wehrturm stammt aus dem 13. Jahrhundert und zeigt typische gotische Bauelemente, wie das sitzbogige Tor. Der Turm hat obenauf einen Wehrgang und einen Gusserker, aus dem heraus Passanten angesprochen oder bekämpft werden konnten. Das Obertor ist an die Stadtmauer angeschlossen, eine der ältesten und gut erhaltenen Mauern Hessens.

Nordöstlich in Ortenberg, je nach Blickwinkel in die Altstadt, vor dem Obertor, liegt das Schloss Ortenberg, das aus einer mittelalterlichen Burg hervorging. Mehrere Bauphasen sind erkennbar. Die Burg entstand im 12. Jahrhundert. Im frühen 17. Jahrhunderte mutierte sie zum Schloss im Auftrag der Herren von Stolberg, die heute noch Besitzer des Schlosses sind.

Um 1775 erhielt das Schloss einige Neubauten und wurde im Stile des Klassizismus überformt – es zeigt sich also eher klar und nüchtern statt verspielt und romantisch. In der Vorburg, dem Torhaus aus dem Jahr 1622 mit Fachwerkaufsatz befindet sich das Rentamt. Auch ein kleines Schlossmuseum ist in den Gebäuden beheimatet.

Neben der Marienkirche gibt es in Ortenberg ein weiteres Gebäude, das die Blicke auf sich lenkt. Inmitten der Altstadt befindet sich das schmucke Rathaus aus dem späten 15. Jahrhundert, welches 1605-08 in seiner heutigen Form neu erbaut wurde. Das Untergeschoss ist aus Stein gebaut und unterkellert, darauf zwei vorkragende Fachwerkgeschosse mit Andreaskreuzen und ein Dachgeschoss mit einem schornsteinartigen Türmchen und Uhr. Den Keller betritt man durch eine Sandsteinpforte aus der Errichtungszeit.

Altstadtbesucher schauen bitte auch immer ein wenig nach oben, wenn sie Ortenberg durchwandern. Über neunzig gestaltete Scherenschnitte des Künstlers Albert Völkl zieren die Laternen und erzählen die Geschichte von Ortenberg auf dem Laternenpfad. Eine abendliche Führung ist sicher sehr unterhaltsam, erzählt sie doch Kuriositäten und von den Persönlichkeiten der Stadt und ihrer Stadtteile.