Oberrahmede

Im Norden des Lüdenscheider Stadtgebiets, etwas abseits der eigentlichen Kernstadt, befindet sich der Ortsteil Oberrahmede. Durch den Ort verläuft auch das gleichnamige Flüsschen, das 12km nach seiner Quelle in Lüdenscheid in Altena der Lenne zufließt.

Nicht nur Oberrahmede verdankt seinen Namen der Rahmede, der sich durch ein gewundenes Tal schlängelt. Auch die Altenaer Stadtteile Mühlenrahmede und Altroggenrahmede sind nach ihm benannt. Wasserbetriebene Hammerwerke gab es in früheren Zeiten häufig entlang der Rahmede, denn dank ihres starken Gefälles hatte sie die nötige Kraft, um solche Anlagen anzutreiben. Heute sind diese Zeiten allerdings längst passé.

Stattdessen gibt es andere Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel die evangelische Kirche in Oberrahmede. Die neugotische Saalkirche von 1890, die dem Typus der preußischen Normalkirche entspricht, blickt auf eine wahrhaft bewegte Vergangenheit zurück. Schon 1822 hatten sich die beiden Gemeinden Lüdenscheid-Land und Lüdenscheid-Stadt zusammengeschlossen, um die dringend benötigte neue Stadtkirche zu bauen. Doch die beiden ungleichen Gemeindeteile waren sich nicht allzu grün, erst 1888 konnte endlich der Standort für die Kirche festgelegt werden. Letztlich gründete sich der Verein der Freien Evangelischen Gemeinde Oberrahmede unabhängig von der Landeskirche.

Von den damaligen Querelen ist nichts mehr zu spüren. Aber werfen wir noch einen weiteren Blick auf die Architektur. Interessant ist daran unter anderem der Nordostturm mit der achtseitigen Turmhaube. Und besonders schön anzusehen ist die Kirche im Zusammenspiel mit dem Pfarrhaus, dem Kirchhof und dem ehemaligen Konfirmandensaal. Insgesamt ein sehenswertes Ensemble.

Ganz in der Nähe kann man sozusagen die Sauerlandlinie des Mittelalters begutachten, oder zumindest Überreste davon. Im Gewerbegebiet Freisenberg ist noch heute ein Hohlwegbündel sichtbar. Es gehörte einst zu einer wichtigen Handelsverbindung, die Lüdenscheid mit Hagen im Norden und Olpe und Siegen im Süden verband. Die Wagenräder gruben sich an manchen Stellen so tief in den Boden, dass sogar Spurrillen in den Felsen entstanden.

Wer noch ein wenig weiter nach Westen geht, erreicht rasch den Lüdenscheider Ortsteil Hulsberg. Hier gibt es einen historischen Haferkasten zu sehen. Diese kleinen Häuschen - in diesem Fall eines des sogenannten Eckpfostentyps - dienten in der gesamten Region als Getreidespeicher getrennt vom eigentlichen Hofgebäude, und es gab kaum einen Hof ohne Haferkasten.

Teilweise waren die Haferkästen sogar mehr oder weniger mobil, wenn sie nämlich als Mitgift bei einer Hochzeit von einem Hof zum anderen mitgenommen wurden. Der Haferkasten in Hulsberg stand zuvor in Halver-Dahlhausen. 1985 wurde er dort abgebrochen und in Hulsberg wieder aufgebaut. Aber auch zuvor hatte die Holzkonstruktion schon mehrfach den Standort gewechselt.