Oberdreis

Im Ahle Eck
Im Ahle Eck

Am Ostrand des Puderbacher Landes liegt Oberdreis mit seinen Ortsteilen Lautzert, Dendert und Tonzeche. Die Gemarkung stößt direkt an den Hatterter Grund im Oberen Westerwald. Bis in die 1960er Jahre bestimmten Tongrube und Schamottewerk das Leben der Menschen in Oberdreis. In der ehemaligen Tonzeche Guter Trunk Marie an der Landstraße in Richtung Roßbach (Westerwald) wurde auf einer Fläche von 30ha der begehrte Werkstoff abgebaut und dann mit einer Feldbahn nach Raubach transportiert. Heute ist die Anlage wieder zu großen Teilen renaturiert.

Die Tonzeche Guter Trunk Marie wird vom Oberdreiser Wald umgeben. Hier finden sich einige kleine Teiche, die auf das zweite industrielle Produkt hinweisen, das hier gefördert wurde: Quarzit.

Im Oberdreiser Wald rund 2km entfernt vom Ortszentrum liegt das Naturdenkmal Beilstein. Es handelt sich um einen großen freistehenden Basaltblock aus der Eiszeit, von dem die Oberdreiser ihrem Nachwuchs versicherten, dass hier alle Kinder herkämen. Der Beilstein zählt zu den wichtigsten Naturdenkmälern in der Region Neuwied. An der Nordseite des haushohen Findlings wurde noch bis Ende des zwanzigsten Jahrhunderts Basalt gebrochen. Von der Plattform des Steines aus hat man eine gute Sicht auf die Landschaft des Puderbacher Landes und den „Dreeser Grond“, wie die Einheimischen ihre Gemarkung nennen.

Nähert man sich Oberdreis von Norden, kommt man an der Oberdreiser Ölmühle vorbei. Die Oberdreiser Ölmühle ist eines der ältesten Ölmühlenwerke des Westerwalds. Das Alter der Mühle konnte bis in das Jahr 1735 zurückverfolgt werden. Gespeist wurde die Ölmühle wie auch die Walzenmühle in Dendert vom Dreisbach.

Im ehemaligen Pfarrhaus von Oberdreis wurde der berühmteste Sohn des Dorfes geboren: Paul Deussen (1845-1919). Deussen arbeitete als Professor für Philosophie und gilt als erster Gelehrter, der fernöstliches (speziell indisches) Gedankengut als gleichwertig zur abendländischen Philosophiegeschichte setzte. Seine monumentale Übersetzung der „Sechzig Upanishads des Veda“ erschien erstmals 1897 und gilt bis heute als Standardwerk.

Deussen drückte zusammen mit Friedrich Nietzsche die Schulbank und war zeitlebens ein enger Freunde des sprachgewaltigen Dichters und Denkers, der 1864 selbst zu Besuch nach Oberdreis kam. Nietzsche empfand das Oberdreiser Leben als „eine seltene Vereinigung von Einfachheit und Luxus“. Weiterhin gründete Deussen 1911 die Schopenhauer-Gesellschaft, deren 600 Mitglieder noch heute daran arbeiten, das Studium und Verständnis der Philosophie Schopenhauers anzuregen und zu fördern. Deussens Grabstätte befindet sich neben der evangelischen Kirche.

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