Niederwürzbach (Blieskastel)

Niederwürzbach ist einer von 15 Stadtteilen der Barockstadt Blieskastel und liegt im Tal des Würzbachs. Der Würzbach entspringt zwischen Oberwürzbach und St. Ingbert und mündet nach 12km bei Blieskastel-Lautzkirchen in die Blies. Dazwischen wird der Würzbach zum Niederwürzbacher Weiher aufgestaut.

Rund um den Niederwürzbacher Weiher kann man wandern und kommt an schmucken Bauten vorbei. Ein Spaziergang rund um den Weiher entführt auf romantische Art in eine andere Zeit. Am Ufer liegen auch ein Wohnmobilstellplatz sowie eine Freizeitanlage mit Liegewiese, Beachvolleyball-Feld und einem Kinderspielplatz. Der 12ha große Niederwürzbacher Weiher wurde künstlich angelegt und bereits 1564 in einer Karte beschrieben.

Der See und die barocken Bauten stehen in direkter Verbindung zur Reichsgräfin Marianne von der Leyen (1745-1804). Nach dem Tod ihres Mannes Franz Karl von der Leyen übernahm die damals 30jährige die Regentschaft in Blieskastel, da ihr Sohn Philipp noch nicht volljährig war. Sie lenkte 1775-93 die Geschicke in Blieskastel und den anderen verstreuten Familienbesitztümern. Der Niederwürzbacher See wurde zur Zeit der Regentschaft der Gräfin Teil eines Englischen Gartens und am Ufer entstanden zwei Sommersitze.

Der Annahof, heute ein Hotel mit Restaurant und Biergarten, wird auch Runder Bau genannt und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Halbrunde Wirtschaftstrakte flankieren das zweigeschossige Hauptgebäude im Stil des Frühklassizismus. Die Rundtürme bei der Einfahrt kamen erst 1920 hinzu. 1793 zerstörten Revolutionstruppen einen guten Teil der gräflichen Anlagen, wobei der Annahof und Schloss Montplaisir sich in weiten Teilen erhalten konnten.

Schloss Montplaisir, aufgrund des Anstrichs auch Roter Bau genannt, wurde als langgestreckter Gutshof mit einem Mansardwalmdach 1785-86 errichtet. Der Rote Bau ist privat und mit Wohnungen ausgebaut. Von Blieskastel aus kommt der Mariannenweg, der hier in die Würzbachschleife übergeht. Der Rundweg folgt den Spuren der Reichsgräfin.

Zwischen den beiden Weiherarmen auf einer Art Halbinsel steht mit dem Gut Junkerwald eine Villa aus den Jahren 1902-03. Der Arzt und Königliche Hofrat Carl Ehrhardt ließ das Herrenhaus von einem bekannten Architekten errichten und schenkte es seiner Tochter zur Vermählung. Der Architekt Georg von Hauberrisser plante übrigens auch das Münchner Rathaus. 1955 litt das Anwesen einen erheblichen Brandschaden, doch man baute es wieder nach alten Vorlagen auf. Heute ist hier Gastronomie und ein nach wie vor idyllisches Fleckchen mit Seeblick.

Eine bewegte Geschichte hat auch die Hubertuskapelle in Niederwürzbach. Sie wurde 1742 gebaut, erlitt durch die Revolutionstruppen Schaden, wurde renoviert, war nach dem Bau der Kirche 1881 überzählig, ging in den Besitz der politischen Gemeinde über mit Nutzung als Rathaus und Feuerwehrhaus, wurde 1952 evangelisch und erhielt bei der Sanierung ihr altes Kleid zurück.

Ein Wort ist in Deutschland zum festen Begriff geworden und für diesen Begriff steht ein Mann, der in Niederwürzbach aufwuchs: Peter Hartz. Es ist anzunehmen, dass Peter Hartz, der sein Bundesverdienstkreuz nach einem VW-Skandal (Bestechungsaffäre 2005) und Verurteilung wieder zurück geschickt hatte, trotzdem nicht „hartzen“ muss.

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