Neustadt (Hessen)

Im Herrenwald zwischen Neustadt und Stadtallendorf entspringt die Wiera, ein 15km langes Flüsschen, das in Treysa in die Schwalm mündet. Damit liegt Neustadt als einzige Stadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf an einem Zufluss der Weser, während alle anderen Fließgewässer im Großraum Marburg über die Lahn zum Rhein entwässern.

Das Wahrzeichen Neustadts ist der sagenumwobene Junker-Hansen-Turm. Mit 48m Höhe und gut 12m Durchmesser gilt der Turm als größter Fachwerkrundbau der Welt. Der Junker-Hansen-Turm wurde 1480 von Hans von Dörnberg erbaut. Er sollte eigentlich die Funktion einer Südwest-Bastion der Burg- und Stadtbefestigung erfüllen und war als Bergfried geplant. Zwar sind seine Mauern tatsächlich beeindruckende 4m dick, trotzdem ist der Turm letztendlich als Wohnturm fertig gestellt worden.

Das liegt daran, dass der Turm bereits neun Jahre nach Fertigstellung in den Umbau der alten Burg Dörnberg in ein repräsentatives Schloss einbezogen wurde. So ist der Junker-Hansen-Turm seit über 500 Jahren der beeindruckende Vorbau von Schloss Dörnberg, die auf dem steinernen Unterbau der früheren Burg steht. Seit 1952 dient Schloss Dörnberg als Rathaus von Neustadt.

Neben dem Junker-Hansen-Turm wird die historische Altstadt von Neustadt durch die katholische Pfarrkirche St. Trinitatis geprägt. Der älteste Teil der Dreifaltigkeitskirche stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Das Langhaus aber geht ebenfalls auf den Hofmeister Hans von Dörnberg zurück, der es 1502-17 errichten ließ. Der reich dekorierte Hochaltar gilt als eines der schönsten barocken Kunstwerke im Marburger Bergland. Er wurde von Bildhauern aus Hadamar 1711-13 geschaffen.

Hadamarer Künstler waren auch für den Magdalena-Altar der Neustädter Friedhofskapelle St. Laurentius verantwortlich. Johann Neudecker – der auch den Marmoraltar im Dom zu Fulda schuf – baute den Magdalena-Altar 1713 für die Kirche in Amöneburg. Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Altar nach Neustadt und ziert heute die 1576 erbaute Laurentiuskapelle.

In der Neustädter Altstadt, nicht weit von der Pfarrkirche, steht das prächtige historische Rathaus. Das vorbildlich restaurierte Fachwerkgebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der beeindruckende Bau mit seinen spitzhelmgekrönten Gauben kann über eine zweiläufige Freitreppe betreten werden und steht auch für Feierlichkeiten den Bürgern offen.

Direkt außerhalb der historischen Altstadt findet man den Neustädter Bürgerpark mit einem großen Teich. Auf rund 4,5ha Fläche findet man hier einen Platz der Ruhe. Wem ein Spaziergang im Bürgerpark nicht genügt, der verlässt Neustadt parallel zur Deutschen Märchenstraße – der B 454 – und erreicht schon bald das Naturschutzgebiet Winshäuser Teich.

Noch weiter westwärts Richtung Stadtallendorf liegt mitten im Herrenwald die Wallfahrtskapelle Mariabild. Sie steht auf den Ruinen der Wüstung Forst und wurde 1893-94 im historischen Stil erbaut. Das ursprünglich in der Kapelle befindliche Gnadenbild aus französischem Sandstein, befindet sich heute in der St. Laurentius Kirche. Es ist durch eine Pieta unbekannter Herkunft ersetzt worden.

Südlich der Kernstadt liegt der Nellenberg (345m) und auf ihm die spärlichen Reste der Nellenburg. Die Nellenburg wurde im 13. Jahrhundert erbaut und bis 1529 bewohnt. Nach 1535 ist die Burg verfallen. Nach mythischen Überlieferungen soll vom Junker-Hansen-Turm ein unterirdischer Gang zur Nellenburg führen, angefüllt mit Waffen, Rüstungen goldenem und silbernem Geschirr.

Eines der größten Volksfeste im Marburger Bergland ist die Neustädter Trinitatis-Kirmes. Die Trinitatis-Kirmes wird seit schon dem 16. Jahrhundert jedes Jahr am Sonntag nach Pfingsten in Neustadt gefeiert und zieht Besuche von nah und fern an.