Monschau

Als Perle der Eifel und Schatztruhe wird Monschau an der Rur bezeichnet, nicht zu Unrecht, denn das Städtchen zählt etwa 244 Baudenkmäler, hat sehenswerte Kirchen, eine mächtige Burgruine, die Fachwerkhäuschen drängen sich überkragend an das Flussufer.

Monschau ist ein Ort, der die Fantasie beflügelt und bereits des Öfteren als Filmkulisse diente, sogar mit Götz George als Schimanski (2005). Die ARD drehte 2014 einen Teil von „Weihnachten für Einsteiger“, wo die hübsche Betrügerin mit einem Geldkoffer per Bahn nach Monschau flüchtet, von dort aber nicht weiterkommt, weil kein Zug mehr zurück fährt aus dem Idyll... und was wäre Weihnachten ohne Liebe. Die kommt natürlich auch in Monschau vor.

Beginnt man seinen historischen Stadtrundgang am Wanderparkplatz Burgau, quert man zunächst die Rur und kommt zum vermutlich ältesten Gebäude in Monschau, dem Haus im Turm aus dem Jahr 1435. Damit man die Denkmäler auch mitbekommt, sind sie mit Messingschildchen versehen. Das Haus im Turm fällt durch sein Bruchsteinmauerwerk auf und hat vier Geschosse. Es verband die Stadtmauer mit dem Stadttor an der Rur.

Etliche teilweise über 300 Jahre Häuser mit Fachwerk und Schiefer säumen den Weg zur 1650 geweihten katholischen Kirche mit einem Hochaltar, der aus dem Praemonstratenserkloster Reichenstein bei Kalterherberg stammt. Die sogenannte Alte Kirche wird nur noch bei besonderen Anlässen genutzt und gilt als sehenswertes Beispiel des Eifeler Bauernbarocks.

In der Aukirche ist mehr Platz für die Gläubigen und an diese Kirche grenzt das große Gebäude des Auklosters. Der Kreuzgang des durch Franziskaner 1719 gebauten Klosters wird heute auch für Ausstellungen genutzt. Man sieht übrigens recht viel Kunst in Monschau, das auch ein Kunst- und Kulturzentrum in der Austraße hat. Die Aukirche am Markt wurde im Inneren im letzten Jahrhundert entsprechend der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils umgestaltet. Auch sehenswert.

Die Stadt, einst blühendes Zentrum der Tuchmacher und Wollweber, zeigt viele sehenswerte Patrizierhäuser, allen voran das Rote Haus, aber auch in anderen Häusern war Textilbetrieb. Das sieht man, wenn man nach oben unter die Giebel schaut. An den Balken mit Haken wurde die Wolle hinaufgezogen, die auf dem Dachboden lagerte, oder eben Torf, mit dem meist geheizt wurde.

An Ende der Kirchstraße geht es über den Holzmarkt, wo das Amtshaus ins Auge fällt. Das große Bruchsteinhaus mit Fachwerkgiebel wurde 1663 gebaut und drinnen hatten die Amtmänner der Jülicher zu tun. Schaut man nicht nur zu den Giebeln sondern auch auf die Haustüren, fallen dem Besucher einige schwere mit Eisen beschlagene Türen auf, teilweise mit Klopfer. Einige Türen sind zweiteilig. Oben kommt Licht und Luft durch beim Öffnen, unten kann Viehzeug weder rein noch raus, wenn man die Tür dort zu lässt.

Ein weiterer hervorstechender massiger Bau, ist das Haus Troisdorf aus dem Jahr 1783. Sieben Achsen, drei Vollgeschosse, ein Mittelrisalit, geziert mit einem Dreiecksgiebel und Wappen. Darunter ein Balkon, der von Hermen getragen wird. Der Bau eines Feintuchmachers entstand im Louis-seize Stil und beherbergt das Trauzimmer von Monschau.

Der Tuchmacherei ist auch der Brunnen am Markt gewidmet, der einen Tuchscherer bei der Arbeit zeigt, das Rauhen (Aufrauen des Stoffs) und das Weben. Die „Schererei“ war eine harte Arbeit, wo mit bis zu 18kg schweren Scheren das Tuch durch Abschneiden überstehender Wollfaserreste veredelt wurde. Weitere Beispiele von repräsentativen Bürgerhäusern ist das Pauls’sche Haus an der Stadtstraße an der Rur und das Elbersche Kontorhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert, das durch ein Bogensparrendach ins Auge fällt und auch an der Rur liegt.

Die Häuser am Unteren Mühlenberg gehörten den „kleinen Leuten“. Der Gedanke kommt auf, dass sie wirklich besser klein waren, weil sie recht beengt lebten. Um Wohnraum zu gewinnen, uferte das Obergeschoss über die Grundmauern und bisweilen wurden die Babys in Körbchen unter die Zimmerdecke gehängt. Webstühle musste ja auch noch in die Stube. Vor der Brücke in der Rurstraße grüßt das Monschauer Original, eine Skulptur des Maaßens Päulche, ein Kurzwarenverkäufer.

Stadtbildprägend ist nicht nur das Rote Haus mit Museum, sondern auch die benachbarte evangelische Stadtkirche Monschau, die kulturhistorisch als besonders wertvoll angesehen wird und auch schon Auszeichnungen erhielt, aufgrund ihres überraschenden Innenlebens mit Stuckaturen im Louis-seize Stil.

Man könnte den historischen Rundgang, der nur 2km ausmacht und in einer ruhigen Wanderzeit von einer Stunde machbar ist, auch mit einem Bähnchen erledigen. Die Monschauer Stadtbahn zockelt rund dreißig Minuten durch die sehenswerte Altstadt bis hinauf zur Burg Monschau mit Panoramablick, der so manch einen zu den Worten: „rheinisches Rothenburg“ animiert.

In den Sommermonaten tummeln sich in Monschaus Altstadt bisweilen mehr Touristen als Einheimische. Einladend ist in der St. Vither Straße der Felsenkeller mit Brauhaus und Brauereimuseum sowie einem Biergarten. Das Brauereimuseum Felsenkeller zeigt 150 Jahre Braugeschichte mit Küferei und einer Sammlung historischer Braugeräte. Der Felsenkeller mit seinen schwarzen Schieferwänden wurde 1830 in den Berg gesprengt, sodass rund durchs Jahr eine kühle Lagerung des „flüssigen Brots“ gewährleistet war.

Wer historisch alkoholfrei genießen möchte, ist in der Caffee-Rösterei Wilhelm Maassen gut aufgehoben. Bereits 1862 wurden in dem Familienbetrieb Rohkaffees veredelt.

In der Laufenstraße kann man sich auf die Spuren historischer Senfherstellung begeben. In der 5. und 6. Generation wird in der über 100 Jahre alten Senfmühle Monschau, einst durch ein Wasserrad angetrieben, Senf nicht nur zum Würzen hergestellt. Da gibt es auch Senfmassageöl, Senfpralinen oder Senf-Kaffee Sahnelikör.

Ein weiteres Museum in der Straße ist das Eifeler Photografica- und Film-Museum, das die Geschichte der Fotografie aufbereitet bis hin zur Hochgeschwindigkeitskamera der NASA. Bis zu 40.000 Aufnahmen pro Sekunde schafft das Teil.

Das Kunst- und Kulturzentrum Monschau, kurz KuK, ist im ehemaligen Finanzamt beheimatet. Das Kunst- und Kulturzentrum wurde 2002 gegründet und bietet seitdem Seminar- und Ausstellungsräume sowie mehrere kleine Werkstätten und Ateliers, die an Künstler vermietet werden. Es ist als Arbeits- und Begegnungsstätte konzipiert, die zum kreativen Austausch zwischen Künstlern und Kunstinteressierten einladen soll.

Im Frühjahr lockt die Rur mit zwei Veranstaltungen Kanuten von überall her. Keine sportlichen Vorkenntnisse braucht man dagegen beim Monschauer Weihnachtsmarkt, der in stimmungsvoller Kulisse an allen vier Adventswochenenden geöffnet ist und Zehntausende von Besuchern ins Rurtal lockt.

IVW