Evangelische Stadtkirche Monschau

Wer aufmerksam durch die Eifel wandert, findet allerorten Kreuzwege, Kapellen, Heiligenhäuschen, Lourdes-Grotten und weitere bauliche Zeichen des katholischen Glaubens. Evangelische Gotteshäuser sind meist neuer und ungeschmückt im Stile der Reformation. Die Evangelische Stadtkirche in Monschau, die 1789 als rechteckiger Bruchsteinbau entstand, bildet aus kunstkulturgeschichtlicher Sicht da eine Ausnahme.

Der Bau wurde möglich durch die reichen protestantischen Tuchmacher, die aus Aachen vertrieben worden waren und sich auch in Monschau niederließen, der Stadt zur Blüte verhalfen und für ihr Gotteshaus in die eigene Schatulle griffen. Allen voran der Pfarrerssohn Johann Heinrich Scheibler, Erbauer des Roten Hauses und Arbeitgeber für fast 6.000 Menschen. Seine Stoffe schmeichelten Haremsdamen im Orient und wärmten Zarenfamilien. Scheibler eröffnete einen Fond für den Bau der Kirche und andere Spender zogen nach. Zuvor gab es im näheren Umland zwei Vorgängergebäude, in denen lutherische und später reformierte Gottesdienste abgehalten werden durften. Ein Ort war die Kapelle der Burg Monschau.

Man betritt die Stadtkirche über das vor Ort auch Evangelische Brücke genannte Turmportal. Der Turm ist viergeschossig und durch eine achteckige Welsche Haube bekrönt mit einem Schwan obenauf, als Symbol für Luther. Der Turmhelm ist etwas über hundert Jahre älter als die Kirche, denn er stammt aus der lutherischen Kirche aus Köln-Mülheim, die 1784 durch ein Hochwasser zerstört worden war.

Was man dem äußerlich schlichten unverputzten Bau nicht ansieht, ist sein stilistisch nahezu durchgängig gestalteter Innenraum im Louis-seize Stil (nach dem französischen König Louis XVI, vorrevolutionärer Klassizismus). In diesem Stil sind beispielsweise auch Elemente des Hauses Troisdorf und Mobiliar im Roten Haus gehalten. Der Louis-seize Stil gehört zur französischen sowie französisch beeinflussten Kunst und Architektur. Er kam auf zwischen 1760 und 1790.

Erkennbare Zeichen dieser Stilrichtung sind Girlanden (Festons), Bänder, Fruchtgehänge und Medaillons zum Beispiel. In der Evangelischen Stadtkirche Monschau sieht man an den Wänden die hellen Stuckaturen in Form der Tuchfestons. Sie zieren auch den Altar mit der Rosette.

Nach der mit Sachverstand bis 2014 durchgeführten Sanierung der Kirche erstrahlt der Chorraum des Saals erneut in hellem Weiß und die Logen links und rechts von Kanzel und Altar verleihen dem Kircheninneren etwas Besonderes. Die Kanzel mit krönchenartigem Schalldeckel, dezent mit Gold geziert, betritt man durch die Treppenloge. Oben auf den Logen dienen die ovalen Medaillons zur Liederanzeige.

Ältestes Stück der Ausstattung ist der Taufstein aus dem Jahr 1683 aus der lutherischen Kirche in Menzerath. Der hat eine kleine Wanderung über Imgenbroich hinter sich, bevor er 1925 in Monschau aufgestellt wurde.

Die Seltenheit einer stilistisch derart ausgestatteten Kirche verhalf ihr zum Bauwerk von nationaler Bedeutung. Dazu wurde sie 2012 durch den Deutschen Bundestag ernannt und ein Jahr später belegte sie den zweiten Platz bei einer bundesweiten Abstimmung zur Stadtkirche des Jahres 2012. Erst bei ihrer Wiedereinweihung nach der Renovierung erhielt sie den offiziellen Titel: Evangelische Stadtkirche Monschau.

Regionaler Bezug:

Monschau Städteregion Aachen Nordrhein-Westfalen Monschauer Heckenland Rur-Eifel Eifel
Vgwort