Rotes Haus (Monschau)

Mit der Plünderung der Stadt durch die Truppen Kaisers Karl V. im Jahre 1543 hätte die Geschichte Monschaus ein bitteres Ende nehmen können, hier in der doch etwas unwirtlichen Gegend. Doch, ganz im Sinne von: des einen Leid, des anderen Freud, kam es ab 1598 zu einem Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens. Grund war, dass der katholische Rat der Stadt Aachen seine protestantischen Tuchmacher rauswarf. Die rannten dann offene Türen bei den Jülichern ein und machten sich in Monschau ansässig.

Die Bedingungen in Monschau waren ideal: das Wasser der Rur für die Tuche geschmeidig kalkfrei, die Schafe des Hohen Venn hübsch wollig und die Bevölkerung arm genug, um zu fast jeder Bedingung zu arbeiten. Zudem hatten die protestantischen Tuchmacher hier Religionsfreiheit.

Das sehenswerte Ensemble der frühkapitalistischen repräsentativen Bauten einiger Tuchmacherfamilien an der Rur, daneben die Fachwerkhäuschen der weniger begüterten Arbeiterfamilien und das alles nahezu erhalten seit dem 16. Jahrhundert, macht Monschau zu einer Eifelperle. Ein fantastisches Beispiel vom Aufstreben eines Pfarrersohns und industriellen Feintuchmachers ist das Wohn- und Geschäftshaus der Familie von Johann Heinrich Scheibler. Das Rote Haus, zur Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut, ist heute als Museum zugänglich, was man sich nicht entgehen lassen sollte. Es wirkt beinahe monumental an diesem Standort und findet baulich sowie von der Ausstattung her kaum ein Pendant.

Das Rote Haus an der Rur steht am Zufluss des Laufenbachs in die Rur. Die Tuchmacherfabrikanten nutzen die Wasserkraft für die Wollwäscherei, wozu sie das Wasser durch ihre Keller leiteten. Damals war an der Wollspüle des Roten Hauses zeitweilig ein Wasserrad montiert. Drei Geschosse und drei Giebelgeschosse, darüber noch ein Dachgeschoss lassen das Rote Haus mächtig ins Auge fallen.

Das Wohnhaus links hat den Namen Zum goldenen Helm und das Kontorhaus wird Zum Pelikan genannt. Durch die Geschosse führt eine über alle Etagen freitragende Eichenholzwendeltreppe, deren Schnitzkunst und Zierwerk das Auge überquellen lässt. Die Rocaille-Brüstung ist geschmückt mit Reliefs, die Arbeitsschritte der Tuchfabrikation zeigen.

Weitere Glanzstücke aufstrebenden Reichtums sind die Stuckaturen im großen Festsaal und eine ebenso sehenswerte Einmaligkeit sind die gemalten Bildtapeten. Man hing sich die Meister nicht an die Wand, sondern ließ sie aufmalen. Im Herrenzimmer trifft man auf Kopien von Tizian und Rembrandt beispielsweise. Sogar die goldenen Rahmen, Aufhänger und Nägelchen wurden auf die Leinwandtapete gepinselt. Wunderbar und nur schwer zu klauen!

Im Rokoko-Stil, des Louis-seize und des Empires zeigt sich auch die restliche Wohnausstattung mit glänzenden Kesseln in der Küche, schmuck gedecktem Tisch im Esszimmer, gediegenen Schränken, Vitrinen und Ohrensesseln im Salon. In den Kontorräumen liegen Stoffmusterbücher mit rund 6.000 Dekoren und Beispielen. Dort kann man studieren, was alles war und bereits wieder Mode geworden ist.

Es war allerdings nicht der Herr Scheibler, der die Feintuchindustrie in Monschau installierte, es war Arnold Schmitz der im Schmitz’schen Hof an der Rur die ersten Tuche dieser Art herstellte. Dazu wurde auch nicht die Wolle der Venn-Schafe herangezogen, sondern es musste feineres Material importiert werden. Scheibler ließ die Wolle spanischer Merinoschafe kommen. Heute spinnt in Monschau keiner mehr sein Garn. Das Ende der Tuchmacher wurde im 19. Jahrhundert eingeläutet durch die preußische Zollpolitik und den verspäteten Anschluss Monschaus an den Zug der Zeit, sprich ans Eisenbahnnetz.

Die letzte Textilfabrik schloss 1982. In den Gebäuden der Rheinischen Wollwerke Monschau am Burgau ist heute der Monschauer Handwerkermarkt und eine Glashütte untergebacht sowie das Stadttheater. Man kann die Kunst der Glasbläser bei Vorführungen am Glasofen bestaunen. Die beiden Glasbläser beherrschen ihr Handwerk, dass auf die Römerzeit zurückverfolgt werden kann. Aus Sand, Pottasche und Kalk entstehen unter fachkundiger Hand und mit entsprechend sensibel eingestellter Puste verschiedenste Glaswaren, die man dort ansehen und auch erwerben kann.

Gleich benachbart ist das Erlebnismuseum Lernort Natur in der Burgau. Da erlebt der Besucher auf rund 200qm anhand von über 1.000 Anschauungsobjekten was so alles um uns herum kreucht und fleucht, wer von wem gefressen wird, sieht Vennbewohner und ein Feuchtbiotop. Im Kriechtunnel begibt man sich auf Augenhöhe mit den unterirdischen Bewohnern. Bären und ein Wolf sind ebenfalls zu sehen sowie ein Blick über die Meere nach Afrika. Alle Sinne werden mit interaktiven Materialien angesprochen und auch ein Klassenzimmer für Veranstaltungen ist vorhanden.

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