Landgrafenschloss Butzbach

Die Stadtverwaltung Butzbachs ist seit 2002 im Landgrafenschloss ansässig. Die Anlage ist hufeisenförmig und ein Hauch ihrer langjährigen militärischen Nutzung ist immer noch spürbar. Ihr Ostflügel geht auf die vormalige Stadtburg der Herren von Falkenstein zurück, die hier um 1390 eine Kemenate erbauten. Nachdem die Familie des Erzbischofs von Mainz, die Herren aus Eppstein-Königstein im Main-Taunus im Anschluss dort ihren Sitz hatte, wurde das Schloss Butzbach landgräflich-hessisches Burgschloss.

Landgraf Philipp von Hessen-Butzbach baute das Schloss 1603, das teilweise abgebrannt war, als Residenz mit ausgedehnter Parkanlage wieder auf. Seinerzeit wurde der Graf auch vom Astronom Johannes Kepler dort besucht. Es wurde hernach Witwensitz und im frühen 19 Jahrhundert fand sein Umbau zur Kaserne statt. Zunächst wurde es von der Kavallerie dann von der Infanterie genutzt. Die Hessische Schutzpolizei wirkte hier von 1919 bis 1935, bevor bis 1945 die Wehrmacht einzog. Passenderweise wurden nach dem Krieg ehemalige NS-Aktivisten in der Kaserne interniert, bevor es als Flüchtlingslager diente. 1950-91 war das Landgrafenschloss Standort der US-amerikanischen Streitkräfte.

Das Butzbacher Landgrafenschloss, dessen gotische und barocke Bauteile heute noch erhalten sind, hat sehr bewegte Zeiten in den Mauerfugen. Aus der Zeit um 1824 stammt das klassizistische aufgestockte Marstallgebäude. Landgraf Philipp ließ zu seiner Zeit die größte Tennishalle Hessens bauen. Das sogenannte Ballhaus ist ebenfalls in Teilen noch erhalten. Johannes Kepler, als Gast des Hauses, nutzte 1627 das Fernrohr der Sternwarte für seine Sonnenfleckenbeobachtungen. In der Mitte des Südbaus steht der Treppenturm mit dem Aufgang zur Warte.

Weiterhin erhalten ist im Treppenhaus des Schlosses ein Gemälde von Konrad Mantius aus etwa dem Jahre 1630. Das wiederentdeckte Kunstwerk zeigt den Planetenbrunnen und ein wissenschaftliches Kolloquium. Im südlichen Schlossturm sind spätgotische Malereien zu finden. Sehenswert ist auch das Zeitfenster Lustgarten vor dem Landgrafenschloss - eine historische Erinnerung an den im 17. Jahrhundert von Graf Philipp erbauten Garten.

In unmittelbarer Nähe zum Landgrafenschloss steht der Solms-Braunfelser Hof, ein Amtshaus, das im 15. Jahrhundert gebaut wurde. Gleich nebenan befindet sich, durch einen Zwischentrakt mit Museums-Shop und Cafeteria verbunden, ein Neubau. Vor dem Gebäudeensemble seht eine nachgebildete Jupitersäule.

Im Solms-Braunfelser Hof ist heute das Stadtmuseum Butzbach untergebracht, quasi ein Muss für alle, die sich rundum über die Geschichte und Geschicke der nördlichen Wetterau informieren möchten. Das angeschlossene Stadtarchiv lässt über die sieben Ausstellungsbereiche hinaus tief blicken. Natürlich bietet das Museum neben den Dauerausstellungen auch wechselnde Sonderthemen an.

Im Keller des Stadtmuseums befindet sich eine umfassende Darstellung der Römerzeit mit archäologischen Exponaten. Das Kastell Butzbach war bedeutungsvoll für die Truppen des Wetterau-Limes. Das Kohortenkastell Hunneburg, von dem heute außen nichts mehr zu sehen ist, ist dafür als Modell im Boden des Raumes eingelassen. Weitere römische Eindrücke vermitteln die Keramiken in den Vitrinen und ein Magazinraum eines römischen Töpfers. Mittelalter und Neuzeit finden auch ihren Platz.