Butzbach

Butzbach ist der zentrale Ort im Butzbacher Becken ganz im Nordwesten der Wetterau. Butzbach, dass sich gerne auch als Perle der Wetterau beschreibt, heißt seit Februar 2011 amtlich Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt und beruft sich damit auf den oberhessischen Revolutionär, der in Butzbach als Lehrer in den Zeiten des Vormärz gewirkt und liberal demokratisches Gedankengut verbreitet hat, was im Absolutismus des frühen 19. Jahrhunderts oft das Leben kostete. Heute kosten fast 25.000 Menschen das Leben in Butzbach aus, ohne das Vergangene zu verwerfen.

Zu den Schätzen der Vergangenheit gehört der Limes, der einst vom Taunus kommend durch das Stadtgebiet verlief und dessen spärliche Reste seit 2005 als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt sind. Damit man sich des römischen Erbes erinnert, wurde am Westrand von Butzbach ein Römerturm am Schrenzerberg rekonstruiert.

Das eigentliche Limes-Kastell in Butzbach, das Kohortenkastell Hunneburg, war größer als die Saalburg, ist heute aber komplett überbaut. Ein Modell der Hunneburg ist im Stadtmuseum im ehemaligen Solms-Braunfelser Hof zu sehen. Dort lernt der Besucher die Historie der gesamten nördlichen Wetterau kennen.

Als die Römer weg waren, entstand nach und nach ein Siedlung, die im 13. Jahrhundert Stadtrechte erhielt. Die Stadtgründung wurde mit einer üppigen Ringmauer gefestigt, mit den typischen Schwibbögen. Sie waren obenauf begehbar und in der Mauerstraße ist heute noch zu sehen, wie erfinderisch die Menschen wurden, als es innerhalb der Stadt enger wurde. Sie bauten die dicken Mauern zu kleinen Schuppen oder Wohnraum aus.

Mehrere Türme und drei Stadttore schafften Klarheiten zwischen rein und raus. Der Hexenturm aus dem 14. Jahrhundert ist einer der letzten erhaltenen Türme. Der Hexerei Bezichtigte wurden hier eingekerkert. Von dunkler, steinerner Enge zur fachwerkigen Weite: der Marktplatz.

Besonders hübsch ist Butzbach rund um den Marktplatz mit dem Brunnen aus dem Jahre 1395 und der Rolandsfigur als Brunnenmann. Der Roland, ein Ritter mit Schwert, symbolisiert die Stadtrechte. Der Butzbacher Markplatz gilt als einer der schönsten Hessens und liefert einen Eindruck der Platzgestaltung, wie sie auch in Frankfurt gewesen sein muss, bevor der Krieg ihn zerstörte.

In Butzbach stehen noch recht viele historische Bauten. Allen voran das Rathaus, in dem bis 2002 die Stadtverwaltung war. Der stattliche Fachwerkbau von 1559-60 ruht auf Stein, wo die Gerichts- und Kaufhalle im Erdgeschoss untergebracht war. Von 1848-1926 befand sich hier der Synagogensaal der jüdischen Gemeinde.

Westlich am Platz steht ein prächtiges Fachwerk-Doppelhaus mit reichhaltiger Schnitzkunst, erbaut um 1710. Von unterschiedlichen Eignern beauftragt, bot es später im Doppel Reisenden vornehme Unterkunft als Gasthaus Zum Goldenen Löwen. Auf der Westseite des Platzes steht das sogenannte Blaue Haus, weiß verputzt mit blauen Schlagläden, erbaut 1867 als modernes Stadthaus mit Fenstern ringsum, was damals noch unüblich war.

Ebenfalls westlich steht eine Art Fachwerkhochhaus im Doppelpack. Die Alte Post, mit Bauteilen um 1500, ist fünfgeschossig und das Fachwerk reich verziert. Links befand sich einst eine Herberge, rechts die Thurn- und Taxissche Post, wo bis 1866 Briefe in die ganze Welt versendet werden konnten. Im Innern ist recht viel original erhalten geblieben.

Wem sagt der Name Buff etwas? Lotte Buff? Sie war eine Bekanntschaft von Goethe und wurde in Werthers Leiden berühmt. Ihre Familie stammt aus dem Buff-Haus nahe des Butzbacher Rathauses, bevor die Buffs beruflich weiterzogen nach Wetzlar. Das Buff-Haus ist ein Beispiel für ein spätgotisches Wohnhaus, halb aus Stein und mit Fachwerkaufbau.

Der nahe gelegene Kirchplatz bezaubert durch die evangelische Markuskirche, aus einer Basilika des 13. Jahrhunderts zu einer gotischen Hallenkirche entwickelt, mit einer Fürstengruft, in der Landgraf Philipp nebst einigen der Seinen seine letzte Ruhe fand. Gegenüber befindet sich das spätgotische ehemalige Gebeinhaus mit Michaelis- und Katharinenkapelle und Fresken aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Friedrich Ludwig Weidig - jetzt auch verewigt im erweiterten Stadtnamen Butzbachs - lebte von 1824-1826 lang im Weidig-Haus am Kirchplatz im ehemalige Rektorat der Lateinschule.

Etwas außerhalb des Stadtkerns, in der Weiseler Straße, steht die älteste erhaltene Fachwerkkirche Hessens: die Wendelinkapelle. Um 1370 wurde das städtische Hospital gegründet und die Kapelle dem heiligen Wendelin (von St. Wendel) geweiht. Er ist der Schutzpatron der Hirten, Bauern, Landarbeiter und Tagelöhner. Der heutige Bau entstand um 1440 an der Stelle der älteren Kapelle. Kostbarkeit im Innern ist der um 1510 geschaffene Wendelinsschrein.

Nördlich gelegen in Butzbach erstaunt ein prächtiger und klobiger Bau aus dem Jahre 1890 den Besucher. Hier ist nicht etwa eine besonders märchenhafte Burganlage zu bewundern, sondern die Justizvollzugsanstalt Butzbach. Es ist Platz für über 500 Menschen in dem gewaltigen Backsteinbau, der sicher als Filmkulisse dienen könnte.

Wer die Freiheit wieder genießen kann, der kommt zum Feiern nach Butzbach. Richtig trubelig wird es in Butzbach jedes Jahr am ersten Septemberwochenende zum Altstadtfest und zum Katharinenmarkt am letzten Oktoberwochenende.

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