Kloster Schiffenberg

Die ehemalige Klosteranlage Schiffenberg befindet sich auf dem gleichnamigen 281m hohen Berg, in der Nähe des Gießener Stadtteils Petersweiher und dem Pohlheimer Ortsteil Hausen. Ausgrabungen seit 1973 belegen, dass der Schiffenberg seit 6.000 Jahren besiedelt war. Bei dem Kloster handelte es sich um ein Augustiner-Chorherrenstift, dessen Angehörige nicht zurückgezogene Mönche, sondern weltliche Geistliche waren.

Die Gründung des Klosters Schiffenberg geht auf eine Stiftung der Gräfin Clementina zu Gleiberg aus dem Jahre 1129 zurück. 1323-1809 wurde das Kloster Schiffenberg durch den Deutschen Orden verwaltet, weshalb das Komturei-Gebäude (1493-1500) und die Propstei (1463) erbaut wurden. Zwischen diesen beiden Bauten befindet sich ein jüngerer Bau, der vor allem durch den besonders aufwändig filigran gestalteten Brunnen aus dem Jahr 1700 auffällt.

Wichtigster Bau des Kloster Schiffenberg ist die Klosterkirche, die als romanische Pfeilerbasilika ab dem 1. Viertel des 12. Jahrhunderts errichtet wurde. Der sehr sachliche Bau wirkt vor allem durch seine strenge Formauffassung und sichere Tektonik. Der markante Vierungsturm tritt mit quadratischem Grundriss aus den Dächern heraus. Sowohl das Querschiff als auch der quadratische Ostchor wurden in spätgotischer Zeit verändert.

Zu den historische bedeutsamen Details der Inneneinrichtung der Klosterkirche Schiffenberg zählen ein gemauerter Altar mit Reliquiennische, eine rundbogige Sakramentsnische in der linken Wand des Ostchores, ein aus Basalt gefertigter Taufstein aus frühgotischer Zeit und einige Grabsteine des 14.bis 17. Jahrhunderts. Die heute im nördlichen Querarm stehende hölzerne Empore wurde laut Inschrift 1595 angefertigt.

Das Kloster Schiffenberg gehörte zur Ballei Hessen und wird 1333 zum Sitz einer Komturei. In den folgenden Jahrhunderten wird von anhaltenden Rechtsstreitigkeiten um die Verwaltung des Klosters Schiffenberg berichtet. Im 16. Jahrhundert versuchte Philipp I. das Kloster Schiffenberg zu säkularisieren, was ihm jedoch nicht gelang. Erst 1809 wurde der Deutsche Orden durch Napoleon Bonaparte aufgehoben und der Schiffenberg hessische Domäne. 1885-86 wurden ältere Wirtschaftsgebäude, die sich direkt an die Kirche anschlossen, abgerissen und neue gebaut. 1972 ging die Klosteranlage in den Besitz der Stadt Gießen über.

Unterhalb des Klosters Schiffenberg befindet sich der Akademische Forstgarten. Der Akademische Forstgarten ist das älteste forstwissenschaftliche Forschungsinstitut weltweit. Heute leben in dem Gießener Forstgarten über 200 Baum- und Straucharten und seit 1985 ist der Forstgarten für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wer’s weniger botanisch, dafür lieber sportlich mag, der kann sich im Kletterwald Gießen austoben, der sich an der Domäne Schiffenberg befindet. Der Kletterwald Gießen zehn Parcours mit 120 verschiedenen Übungen. Wer den schwarzen Parcours bis auf zwanzig Meter Höhe durchklettert, wird mit einem 460 Meter langen Flug durch den Wald und über Wiesen belohnt.

Etwa 5km südöstlich von Gießen befindet sich der rechtlich zur Gießener Kernstadt gehörende Ort Petersweiher. Der Ort umfasst knapp 40ha und liegt direkt am Fuße des Schiffenbergs. Südlich grenzt Petersweiher an den Pohlheimer Stadtteil Watzenborn-Steinberg. Der Ort ist gekennzeichnet durch ein idyllisches Wohngebiet und den gleichnamigen Weiher, der sich am Rande des Ortes befindet.