Kanzem

Wer an der Saar reif ist für die Insel, muss gar nicht weit fahren, nur bis Kanzem. Das liegt nämlich heimelig umschlungen von der kanalisierten Saar und dem Altarm der Saar im Wiltinger Saarbogen in einer Insellage. Seit 2010 hat Kanzem einen aus Funk und Fernsehen bekannten Weingutsbesitzer, der bereits seine Ferien auf der Insel verbrachte. Günther Jauch kaufte in Kanzem das Weingut Othegraven, das bei Saarweinliebhabern bekannt ist.

Kanzem liegt nördlich von Wiltingen in einer Schleife des Saarbogens und des Altarms und nennt sich dem zur Folge auch Saarwein-Insel. Nach Kanzem kann man über vier Brücken gehen. Aus der Richtung Konz gelangt man über die Saarbrücke in den Ort. Die Saarbrücke, ursprünglich aus dem Jahr 1929, wurde nach der Kriegszerstörung 1956 neu errichtet. Aus Saarburg passiert man die Wiltinger Saarbrücke und aus Biebelhausen und Wawern führt ebenfalls eine Brücke nach Kanzem. Zwischen Wawern und Kanzem liegt auch noch eine Staustufe des Saarkanals.

Das überregional bekannte Weingut Othegraven lässt sich geschichtlich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Was man heute in der Landschaft sieht, ist ein prachtvolles Gutshaus aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, eingebettet in einen englischen Garten mit seltenen und teilweise exotischen Gehölzen. Zum Denkmal gehört die Weinlage Kanzemer Altenberg. Der hat bis zu 85% Hangneigung und ist mit 250m Deutschlands längste Steillage.

Ein weiteres Weingut in der Nachbarschaft von Othegraven in der Weinstraße ist das Weingut Priesterseminar aus dem Jahr 1740 mit einem stattlichen barocken Quereinhaus. Das Weingut Le Gallais in der Saarstraße liegt auch umgeben von einem Park. Die winkelförmige Anlage des Weinguts stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Der Chorturm (1960) der katholischen Pfarrkirche St. Marien in der Kirchstraße stammt übrigens vom gleichen Architekten wie das Weingut Othegraven, nämlich von Heinrich Otto Vogel. Die Kirche ist ein nachbarocker Saalbau aus dem Jahr 1814 mit einem Dachreiter. Pfarrhaus und Pfarrhof stammen aus dem Jahr 1930.

Im Rahmen von Ehrenamt haben Kanzemer auf einem nicht genutzten Friedhofsgelände einen besonderen Garten geplant und umgesetzt. Der Philosophische Friedhofsgarten beschäftigt sich mit dem Werden und Vergehen des Seins. Das Sein wird in vier Phasen unterteilt, dem Werden der Kindheit und Jugend, dem Sein in der Erwachsenenwelt, dem Verabschieden beim Älterwerden, das Sterben hat die Überschrift Paradies erhalten. Jeder Lebensabschnitt wurde mit entsprechender symbolisch wirkender Wegegestaltung und Bepflanzung kreiert.

Ein naher Rundwanderweg ist der Landschaftsökologische Lehrpfad von Kanzem. Er trägt den Titel Naturspur am Altarm der Saar. Dorf, Ökologie, Landschaft und Geschichte werden dem Interessenten näher gebracht anhand vom Dorf, dem Wald, dem Fluss und den Kiesgruben. Man erhält sogar Tipps zur Pflanzen- und Tierbestimmung.

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