Kalterherberg

Der Ort am Rand des Hohen Venns und der Belgischen Grenze trägt seinen Namen nicht zu Unrecht, denn Kalterherberg bekommt als erstes das windige und kalte Wetter aus Westen ab. Dagegen halfen und helfen die hohen Windschutzhecken. Auch sieht man immer wieder Flurhecken aus Weißdorn.

Weithin sichtbar steht im Süden von Kalterherberg die katholische Pfarrkirche St. Lambertus. Da sie zwei 42m hohe Türme hat, wird sie auch respektvoll Eifeldom genannt. Die Kirche entstand ab dem Jahr 1897 im neoromanischen Stil, was im Monschauer Heckenland eine Besonderheit ist. 1901 konnte der erste Gottesdienst stattfinden. Die Kirche hatte das Glück, nicht durch Kriegsereignisse gelitten zu haben. Der Taufstein stammt von 1688 aus der einstigen Lambertuskapelle, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts gebaut worden war.

Um den Winden zu trotzen sieht man in Kalterherberg drei Hausbauarten, die typisch sind für die Venndörfer. Steinhäuser mit Eingang und Kamin auf der Giebelseite und tief heruntergezogenen Dächern. Auch Langhausformen kann man entdecken und eine fränkische Bauart mit dem Kamin in der Mitte des Hauses und dem Eingang an der Längsseite. Ein Haus mit tief herabgezogenem Dach auf der einen Seite und rot gefassten Fenster- und Türstürzen steht nahe des Parkplatzes und der Kirche St. Lambertus. Im ehemaligen Gasthaus Moll übernachtete die Eifel-Schriftstellerin Clara Viebig zu ihrer „Sommerfrische“.

Wer sich auf eine 8km lange ausgeschilderte Rundwanderung um das Dorf begibt, genießt etliche Aussichten, eine davon reicht bis über die Grenze zur Richelsley mit der Mariengrotte und dem weithin sichtbaren Kreuz im Venn. Das wurde bekannt durch einen gleichnamigen Roman Viebigs 1908, in dem sie die Situation der Zeit im Venn beschreibt. Die Richelsley ist ein 80m langer Felsen, bis zu 12m hoch aus der Zeit des Devon, also rund 400 Millionen Jahre alt.

Das Kreuz im Venn wurde durch Pfarrer Arnoldy errichtet, dem auch eine Straße in Kalterherberg gewidmet ist. Das eiserne Kreuz entstand im Jahr 1890 und gedenkt dem Mönch Stephan Horrichem, der auch Apostel des Venns genannt wird und im ausgehenden 17. Jahrhundert Prior im Kloster Reichenstein war. Er machte sich einen Namen durch seine Seelsorge und Tatkraft für die Not leidende Bevölkerung. Auch die Mariengrotte findet sich auf dem Felsen und wurde 1894 anlässlich des 25jährigen Pfarrer-Jubiläums Arnoldys gestiftet. Die Sehenswürdigkeiten befinden sich auf belgischer Seite.

Zu Kalterherberg gehört die Siedlung Ruitzhof, die aus einer Ansammlung von Höfen und Wohnhäusern besteht. Der Schwarzenbach verläuft südlich und markiert dort die Grenze zu Belgien. Ursprung des Örtchens ist ein zum Kloster Reichenstein gehörender ehemaliger Pachthof. Bei Ruitzhof befindet sich der Eifel-Blick Ruitzhof mit schöner Sicht ins Hohe Venn und das Vennvorland.

Ruitzhof ist eine deutsche Exklave. Im Süden, Westen und Norden grenzt der Ort an Belgien und zur Exklave wird es durch die belgische Vennbahn, die östlich verläuft. Man ist also Grenzgänger. Weitere Exklaven Monschaus sind Mützenich und das Gehöft Rückschlag bei Konzen. Ein Teil von Lammersdorf (Simmerath) sowie ein Teil von Roetgen sind ebenfalls nur über belgisches Gebiet zu erreichen.

Zwischen Kalterherberg und Sourbrodt ist ein Streckenabschnitt der Gleise mit einem draisineartigen Gefährt befahrbar, das man am ehemaligen Bahnhof Leykaul mieten kann. Das Railbike des Hohen Venns schafft die Strecke zwischen den Orten in rund 45 Minuten auf der Strecke von Kalterherberg nach Sourbrodt. Auf dem Rückweg ist man schneller. Wartezeit an den Start- und Zielorten ist dann einzukalkulieren, wenn sich weitere Railbiker auf der Strecke befinden, die nur in eine Richtung befahren werden kann.

Der Eifelverein hat einen Kulturwanderweg von rund 9,5km Länge ausgewiesen unter dem Titel: Auf den Spuren des Venn-Apostels. Der Weg ist grenzüberschreitend und die Runde liegt westlich der Ortsmitte. Start ist der Wanderparkplatz Eifeldom. Man quert bei Ruitzhof die Rur und wandert zur Richelsley zum 6m hohen Kreuz im Venn. Jetzt könnte man an der Lourdes-Grotte ein Kerzchen anzünden und dann geht es weiter zum Kloster Reichenstein. Durch das Tal des Ermesbaches mit Brückenbauten der einstigen Vennbahn erreicht man die Rur und kommt im weiteren Wegeverlauf zurück nach Kalterherberg.

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