Heusenstamm

Heusenstamm im Landkreis Offenbach besteht aus den zwei Stadtteilen Heusenstamm und dem östlich gelegenen viel kleineren Rembrücken. Zusammen kommt die Stadt auf rund 19.000 Einwohner. In Rembrücken steht am Dorfplatz die kleine barocke Kirche Mariä Opferung. Sie wurde 1925 anstelle der baufällig gewordenen Kapelle aus dem Jahr 1765 wieder errichtet. Bekannt ist sie durch den Rembrücker Altar aus dem Jahre 1590 im Stil der Renaissance, den man nach Kriegsschäden aus 23 Teilen zurechtpuzzeln konnte und der im Haus der Stadtgeschichte in Heusenstamm zu sehen ist.

Ein Spaziergang durch Heusenstamm beginnt sich am besten im Nordosten des Städtchens am Schloss Heusenstamm, das seit 1979 Sitz der Verwaltung ist. Das Schloss aus dem 18. Jahrhundert besteht im Grunde aus zwei Schlössern, dem vorderen mit der Verwaltung und dem hinteren Schloss mit dem Bannturm, der auch ein Teil der Freilichtbühne Bannturm ist. Etwas südlich der schönen Schlossanlage bietet Heusenstamm mit dem Haus der Stadtgeschichte einen Einblick in die Vergangenheit.

Südlich vom Haus der Stadtgeschichte liegen die Pfarrkirche St. Cäcilia und auf dem Weg dorthin das Alte Rathaus. Das Alte Rathaus wurde 1744 errichtet und war ein Schulhaus mit einem angeschlossenen Waisenhaus. Wie einige der Heusenstammer Bauten war die Auftraggeberin die damalige Regentin Maria Theresia Reichsgräfin von Schönborn (1698-1751), die bereits im zarten Alter von 28 Jahren Witwe wurde, da ihr Gatte, der Graf Anselm Franz von Schönborn, verstarb. Eine Büste von ihr steht vor dem Haus der Stadtgeschichte.

Kein geringerer als der bedeutende Baumeister des Barock und Rokoko, Johann Balthasar Neumann (1687-1758), der das Weltkulturerbe der Würzburger Residenz schuf, um nur eines zu nennen, wurde von der Gräfin beauftragt eine Hof- und Begräbniskirche zu bauen. Um 1736 stürzte er sich in diese Aufgabe. Die Absteckung des Geländes konnte 1739 erfolgen und die katholische Pfarrkirche St. Cäcilia wurde größtenteils bis 1741 fertig. Neumann baute sie im sogenannten fränkischen Barock auf einem kreuzförmigen Grundriss. Die Kirche mit den Schweifgiebeln, Pilastern und schmucken Gestaltungselementen ist schon von außen eine kleine Augenweide.

Im Inneren weiß man gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Das Deckengemälde zeigt die Auferstehung des Lazarus, die Auferstehung Christi und die Anbetung des Lammes. Die Motive leiten die Verstorbenen sozusagen hinüber und in den Himmel, wenn man so will. Der Hochaltar wurde im Stil des Rokoko ausgeführt und ist sehr prachtvoll. Die Kirche wurde erst 1756 geweiht, nach dem Tod der Gräfin, die in Wien verstorben war. Dort wurde sie auch beigesetzt. Man entnahm ihr vorher das Herz, welches in St. Cäcilia in der Gruft bestattet ist.

Die evangelisch Gläubigen gehen in die Gustav-Adolf-Kirche, westlich des alten Ortskerns. Sie wurde 1923 fertig und trägt einen schwedischen Zwiebelturm. 73 Billiarden Mark hatte der Bau gekostet – es war die Zeit nach der Inflation.

Geht man vom Heusenstammer Ortskern in Richtung Süden und begleitet die Bieber, kommt man zur Wüstung der Mühle Rennigishausen. Bei den Fundamenten der einstigen Mühle zeigt einem eine Infotafel, was man zu sehen bekäme, wenn es noch da wäre. Im Mittelalter war hier an der Bieber eine Siedlung mit einer Wassermühle.

Südlich ist das Hofgut Patershausen, über dessen Ursprünge nur wenig Stichhaltiges bekannt ist. Man vermutet seine Herkunft im 9. Jahrhundert. Was man wohl weiß ist, dass es zunächst ein Benediktinerkloster war. In der Mitte des 13. Jahrhunderts kommt das Klostergut in einer Schenkungsurkunde vor. Die Reste des ersten Klosters wurden zur Gründung eines weiteren Klosters übergeben und jetzt waren es die Zisterzienserinnen. Einer ersten Blüte des Klosters folgte sein Abstieg, es kam die Reformation und schließlich die Auflösung. 1741 kaufte die Gräfin von Schönborn das baufällige Kloster und ließ es zu einem Hofgut herrichten, mit Herrenhaus, Ställen, Scheunen und Nebengebäuden. Aus dieser Zeit ist der alte Baubestand.

Südlich vom Hofgut Patershausen und vor der Stadt Dietzenbach liegt das Naturschutzgebiet Nachtweide von Patershausen. Schutzziel des 17,7ha großen Areals mit einem Teich, Magerrasen, Weiden, Brachen, Hecken, Obstbäumen und Wald ist der Erhalt und die Pflege des Naherholungsgebiets, in dem sich unter anderem der vom Aussterben bedrohte Laubfrosch wohl fühlt.

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