Hagen

Hagen liegt an der Einmündung der Lenne in die Ruhr. Die Lenne wird kurz vor ihrer Mündung von der Volme verstärkt und diese wiederum von der Ennepe. Hagen liegt damit im Schnittpunkt von Sauerland (östlich der Volme), Bergischem Land (südwestlich der Volme) und Ruhrgebiet (nördlich der Ruhr).

Hagen, das seit 2012 offiziell den Titel Stadt der Fernuniversität trägt und damit Bezug darauf nimmt, dass in Hagen nach eingeschriebenen Studenten Deutschlands größte Universität beheimatet ist, war im Mittelalter ein unbedeutende Siedlung. Erst mit der Industrialisierung begann der Aufstieg, u.a. durch die Anbindung 1848 an die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft, die das damals schon industrialisierte Bergische Städtedreieck mit Dortmund verband. Später folgten Verbindungen in alle Richtungen – und heute werden die Eisenbahnlinien durch diverse Autobahnanschlüsse ergänzt.

Seine Blüte erlebte Hagen während des Deutschen Kaiserreichs, in dem sich Hagen zum Oberzentrum südlich der Ruhr entwickelte. Man holte bedeutende Architekten wie Henry van de Felde und Walter Gropius für Bauaufträge, die unter dem Stichwort Hagener Impuls den Jugendstil mit der Moderne verbanden. Große Stahlwerke wie die von Klöckner gegründete Hasper Hütte entstanden. Und führten zu großflächigen Bombardements im Zweiten Weltkrieg. Der Wiederaufbau erledigte den Rest, so dass nicht mehr allzuviel historische Bausubstanz in Hagen überlebt hat.

Bei dieser Vorgeschichte wundert es nicht, dass wir als erste Sehenswürdigkeit den Hauptbahnhof Hagen ansprechen. Das neubarocke Empfangsgebäude des Hagener Hauptbahnhofs entstand 1910 und erhielt ein Jahr später über dem Eingang ein repräsentatives Glasgemälde des Jugendstil-Künstlers Jan Thorn Prikker. Trotz der Kriegsbomben blieb auch die zweischiffige Bahnhofshalle erhalten. In Westfalen und dem Ruhrgebiet ist sie die einzige erhaltene „klassische“ Bahnsteighalle und eine der wenigen ihrer Art in Deutschland.

Läuft man vom Hauptbahnhof durch die Bahnhof bis zur Märkischen Bank und biegt dann rechts in die Neumarktstraße, kommt man zum Theater Hagen. Das Theater Hagen wurde 1911 an der Elberfelder Straße, der zentralen Einkaufsmeile von Hagen, eröffnet. Zu den Besonderheiten des Theaterbaus gehören vier jeweils 2,50 m hohe Figuren, die die Fassade über dem Haupteingang schmücken: antike Musen von der Hagener Bildhauerin Milly Steger gestaltet, die dem Dunstkreis des in Hagen so einflussreichen Jugendstils entstammte.

Folgt man der Elberfelder Straße weiter trifft man auf die Mittelstraße. Diese führt uns zur Kirche am Markt, der evangelisch-lutherischen Johanniskirche. Die Kirche am Markt ist eine dreischiffige Barockkirche, die 1748-50 erbaut und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde.

Weiter südwärts geht’s durch die Frankfurter Straße zum Gelände der ehemaligen Textilfabrik Elbers. Die Elbershallen sind ein eindrucksvolles Beispiel industrieller Architektur aus der Zeit von 1850-1960. Das um 1910 entstandene Verwaltungsgebäude an der Dödter Straße weist Elemente eines florentinischen Palazzo auf. Der Sitzungssaal für die Manager wurde von Henry van der Velde gestaltet. Heute arbeitet die Städtische Musikschule Hagen im ehemaligen Verwaltungsgebäude.

Der 1861 errichtete Kamin des Kesselhauses der Textilfabrik Elbers ist einer der ältesten erhaltenen Westfalens und galt mit seinen 85 Metern Höhe lange Zeit als einer der höchsten Schornsteine Deutschlands. Sehenswert ist auch das Maschinenhaus der einstigen Weberei und Spinnerei, das 1862-64 in neugotischer Formensprache errichtet worden ist. Der Backsteinbau wird aufgrund seines sakralartigen Äußeren auch Kapelle genannt. Im September 2011 eröffnete hier das Theater an der Volme als Kammerspieltheater mit 99 Plätzen.

Wenden wir uns von den Elbershallen wieder zurück und orientieren uns an der Volme, kommt man zunächst durch den kleinen Dr.-Ferdinand-David-Park und dann zum 2008 angelegten Volmepark und dem benachbarten Volkspark Hagen – drei schöne Plätze, um eine kurze Pause zu machen und sich weitere Ausflüge in die Stadtteile Hagens zu überlegen, etwa zum Schloss Hohenlimburg, ins Kunstquartier Hagen, zum LWL Freilichtmuseum oder zu einer ausgedehnten Wanderung vom Stadtgarten auf die Hesterhardt wie auf der Drei-Türme-Tour.

War Hagen zu Zeiten des Deutschen Kaiserreichs in Sachen Architektur führend, so leuchtete rund hundert Jahre später noch einmal der Stern über der Stadt an der Lennemündung und zwar in Sachen Musik. Eine ganze „Bande“ erfolgreicher Musiker stammt aus Hagen: Nena (99 Luftballons), Extrabreit (Hurra, Hurra, die Schule brennt), Mousse T. (Sex Bomb), Annette Humpe (Ideal, Ich + Ich) und Inga Humpe (Ich düse, düse im Sauseschritt, 2Raumwohnung) sind die bekanntesten von ihnen.

IVW
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