Festung Mont Royal

Was Menschenverstand denkt und Menschenhand ausführt ist oft erstaunlich, geschieht nicht immer in komplett friedlicher Absicht, oft dient es mehreren Gründen, in diesem Falle der Sicherung und Verteidigung und Demonstration von Macht. Die Festung Mont Royal auf dem gleichnamigen Halbinselberg nördlich von Traben-Trarbach in der Mosel-Eifel ist ein beeindruckendes Beispiel von einer gewissen Potenz und Stärke. Mancher mag auch in Stein ausgeführte Angst spüren.

Die königliche Festung Mont Royal gehörte zum nördlichen Festungsgürtel, der Ende des 17. Jahrhunderts Frankreichs Grenzen sicherte und zwar vom Ärmelkanal bis Basel. Mont Royal war Operationsbasis und Versorgungsdepot für die Rheinarmee des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Der ließ von Baumeister Sébastien Le Prestre de Vauban dieses Bollwerk auf dem Berg 1687-98 errichten. Allein der Grundriss, leicht perspektivisch von oben betrachtet, schaut bereits aus, wie eine mittelalterliche Waffe mit mehreren Speerspitzen. Mont Royal galt als uneinnehmbar und von ihr aus sollen auch Raubzüge ins Umland stattgefunden haben.

Die circa 200m über der Mosel thronende Festungsanlage Mont Royal maß 50ha im Kern, der Hauptwall um sie herum war 3km lang und bis zu 30m hoch, drei Bolltürme in Himmelsrichtungen und fünf Bastionen und Bollwerke, Wehrgänge, Kasematten, Gewölbe – alles da, um sich aus dieser Deckung heraus Angreifern zu stellen. Südlich vor der Festung war das Große Königliche Hauptquartier verschanzt. Das Lager war für 12.000 Mann und 3.000 Pferde ausgelegt und umfasste eine Siedlung mit Unternehmern, eine Art kleine Stadt, sogar mit einem eigenen Gericht.

1690, also nur einige Jahre nach Baubeginn hatte Mont Royal bereits eine Kampfkraft von 14 Regimentern und eine entsprechende Versorgung. Die Festung war seinerzeit die größte Anlage und zählte zu den sogenannten neun Neuen Städten, die in der Zeit von 1679-98 von Vauban aus dem Boden gestampft wurden.

Aber selbst solche Größe und Großherrlichkeit ist endlich – in diesem Fall sogar recht bald. Mit dem Frieden von Rijswijk 1698, noch nicht einmal „schlüsselfertig“, war die Mont Royal bereits Geschichte. Ludwig XIV. musste seinen Traum von der natürlich gezogenen Ostgrenze seines französischen Reiches beenden und die Festung wurde mit dem Friedensvertrag geschliffen. Systematischer Rückbau würde man das heute nennen.

Das überhaupt noch Mauern, Gewölbe und Zeichen dieser Festung erhalten sind, geht auf den Heimatforscher Dr. Ernst Willen Spies zurück. 1929-38 leitete er die Ausgrabungen. Jüngst erwachte touristisches Interesse, so dass man heute weiterhin bemüht ist, die Spuren der Vorfahren nicht gänzlich überwuchern zu lassen. Auf dem Mont Royal verlaufen einige Wanderwege, wie die Mosel Erlebnis Route Festungsweg Mont Royal.

Wer Geschicklichkeit und Abenteuer wünscht, kann zwischen den Bäumen im Kletterwald des Mosel Adventure Forest Mont Royal den Boden von oben betrachten. Wer es historisch genauer wissen will und sich die Augen für das Bollwerk und seine Ausmaße unter kundiger Leitung öffnen lassen möchte, sollte zwischen Ostern und November am ersten Samstag im Monat, Schlag 12, eine Führung mitmachen. Dazu könnte man auch glatt einfliegen, denn hier ist auch der Flugplatz Mont Royal.