Enste (Meschede)

Der Hochsauerlandkreis ist mehr für seinen Wald als für seine Landwirtschaft bekannt. Und so ist es auch nicht allzu verwunderlich, dass die besten Ackerböden nicht mittendrin im Mittelgebirge sondern eher am Rande zu finden sind. Nördlich der Ruhr liegt dieser Streifen, zwischen Meschede und Freienohl, wo am Fuß von Lichtenberg (494m) und Wolfskopf (399m) der Mescheder Ortsteil Enste eine sanft ansteigende, flache Terrasse bildet.

Schon um 800 v. Chr. müssen hier Menschen gesiedelt haben, das deuten archäologische Funde an. Aber auch später noch lockte der gute Boden Menschen an. Der Ensthof, ein wenig näher an der Ruhr als der Ortsteil Enste gelegen, muss schon im frühen 17. Jahrhundert existiert haben. Die 2004 restaurierte Hofkapelle stammt aus dem 19. Jahrhundert, erste Einträge auf alten Karten finden sich für 1828. Sie ist dem heiligen Franziskus-Xaverius geweiht und vor allem durch ihre Form ungewöhnlich: Ein oktogonaler Zentralbau in neugotischem Stil trägt ein Pyramidendach und einen Dachreiter. Die Glocke der Kapelle stammt ursprünglich aus Immenhausen, das heute am Grund des aufgestauten Hennesees liegt. Die dortigen Hofleute hatten die Glocke ihrer Hofkapelle mitgebracht, als sie ihr Dorf verlassen mussten und den Ensthof stattdessen kauften.

Nordwestlich der Mescheder Kernstadt, zwischen dieser und Enste gelegen, findet man das ehemalige Dominikanerinnenkloster Galiläa. Oder zumindest das, was davon heute noch übrig ist. Denn ursprünglich war das Wohngebäude des Ordens deutlich größer, und auch eine Klosterkirche hatte es gegeben. Das zweistöckige Bruchsteingebäude mit dem hohen Kellergeschoss, das heute noch zu sehen ist, bildete einst den Westflügel der Anlage.

Das Kloster Galiläa war 1484 gegründet worden, nachdem der Orden der Dominikanerinnen das Gelände geschenkt bekommen hatte. Es war das letzte westfälische Kloster, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts säkularisiert wurde - allerdings nur gegen den Widerstand der Ordensschwestern, die sich standhaft dagegen gewehrt hatten. Man musste sie förmlich mit Gewalt hinauswerfen, und sie gaben ihren Widerstand erst auf, als die Türen vom Amtmann aufgebrochen wurden und das Herdfeuer gelöscht worden war. 1860 brach man die Kirche und Teile der Wohngebäude ab. Die Glocke aus dem Kirchturm fand eine neue Heimat in der Kapelle am Südfriedhof. Der verbliebene Teil des Klostergebäudes dient heute als Wohnhaus.