Brügge (Westfalen)

Heute schauen wir uns ein wenig in Brügge um. Nein, wir reisen dazu nicht nach Belgien. Es gibt auch ein westfälisches Brügge: einen Stadtteil von Lüdenscheid im Sauerland. Den Namen verdankt der Ort, das lässt sich leicht ablesen, einer Brücke. Brügge ist nämlich niederdeutsch und bedeutet nichts anderes als Brücke. In diesem Fall geht es um einen Volme-Übergang, der Lüdenscheid mit Halver verbindet.

Und mit dem Verkehrswesen hat auch die große Bedeutung Brügges während der Industrialisierung zu tun. 1870 war die Volmetalbahn gebaut worden, 1880 die Verbindung zwischen Brügge und Lüdenscheid und damit die Anbindung des wichtigen Industriestandorts Lüdenscheid an die Volmetalbahn. Brügge diente also als Verkehrsknotenpunkt und Umschlagplatz für den Waren- und Personenverkehr.

Die Bedeutung als Eisenbahnerort zeigte sich vor allem am alten Bahnhof, der größer und prächtiger als der Lüdenscheider Bahnhof war. Leider gibt es den Bahnhof in Brügge nicht mehr. Man hob 2009 den Denkmalschutz auf und riss das Gebäude ab. Auch vom früheren Bahnbetriebswerk ist heute nur noch die ehemalige Schmiede zu sehen, einst ein Nebengebäude des großen Ringlokschuppens.

Ein Detail aus der Bahngeschichte hat jedoch überlebt und ist eines der zwei Wahrzeichen von Brügge: das Reiterstellwerk. Es ist sogar noch in Betrieb, als eines der letzten seiner Art mit elektro-mechanischer Technik von Siemens. Seit seiner Inbetriebnahme 1929 dient es als sogenanntes Fahrdienstleiterstellwerk. Modelleisenbahner kennen es vielleicht sogar persönlich, denn es gibt einen Bausatz für das Stellwerk im kleinen Maßstab.

Das zweite Brügger Wahrzeichen ist die evangelische Kreuzkirche mit ihrem zum Namen passenden kreuzförmigen Grundriss. Sie entstand 1899 als neugotische Emporenkirche aus Bruchsteinmauerwerk. Prägnant ist der seitlich versetzte, schlanke Kirchturm mit seinem Spitzhelm. Die Radfenster enthalten noch die originale Verglasung der Bauzeit. Ein ehemals vorhandener lutherischer Kanzelaltar ist heute leider nicht mehr zu sehen.

Die Kreuzkirche in Brügge entstand in der Tradition des sogenannten Wiesbadener Programms. Vorbild war die Ringkirche in Wiesbaden. Bis in die 1920er Jahre prägten die Grundsätze des Wiesbadener Programms den evangelischen Kirchenbau. So sollten sie zum Beispiel mehr den Charakter eines Versammlungsraums für die Gemeinde haben und die Einheit der Gemeinde betonen, woraus sich die typische Anordnung von Altar und Kanzel ergeben.

Eine klassische, einschiffige Saalkirche mit eingezogenem Chor hingegen ist die katholische Pauluskirche, die 1925-26 entstand. Die Architektur wirkt lebhaft mit ihren geschwungenen Formen, die an das Neobarock angelehnt scheinen. Vor allem die bunten Glasfenster im Chor und über der Orgel sind sehenswert. Ebenfalls interessant ist das zweigeschossige Pfarrhaus mit angegliedertem Pfarrheim, dessen Bau bereits 1914 begonnen wurde.