Alter Botanischer Garten Marburg

Es war ein gewisser Euricius Cordus, gebürtig aus Simtshausen bei Wetter, der noch im Jahr der Gründung der Philipps-Universität 1527 einen ersten botanischen Garten im Südosten Marburgs am so genannten Glaskopf anlegte. Cordus, einer der Begründer der wissenschaftlichen Botanik in Deutschland und auch mehrmals Rektor der Alma Mater Philippina, begann damit die Geschichte, die 1810-14 zur Anlage des Alten Botanischen Gartens wenige hundert Meter hinter der Elisabethkirche in Marburg führte.

Das 3,6ha große, frei zugängliche Gelände wird heute als öffentliche Grünfläche genutzt. Gleichwohl gibt es neben einem schönen Ententeich, kleinen Wegen und vielen Ruhebänken auch noch genügend interessante Pflanzen zu sehen.

Das Arboretum und die pflanzengeografische Abteilung bilden den Schwerpunkt des Alten Botanischen Gartens Marburg. Die Bäume sind teilweise über 200 Jahre alt. Zu diesen Methusalems gehört etwa eine Traubeneiche (Quercus petraea), eine Platane (Platanus acerifolia) mit einer Krone von 45m im Durchmesser und eine große Silberweide (Salix alba) am Teich.

Der Marburger Duft- und Tastgarten wurde 1982 von den Marburger Rosenfreunden gestiftet. Dieser Gartenteil ermöglicht es blinden Menschen, Pflanzen unmittelbar und aus nächster Nähe kennenzulernen. Die Wege in diesem Blindengarten sind durch ein Geländer abgesichert. Die Pflanzen selbst befinden sich in aus Beton errichteten Hochbeeten, die auch als Geländer dienen.

Schließlich sei auf den Arzneipflanzengarten hingewiesen, der in den 1950er Jahren zu Lehrzwecken angelegt wurde. Hier wachsen vor allem krautige Heilpflanzen wie der Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), der Eisenhut (Aconitum napelios), der Blutwurz (Potentilla erecta), der Knollige Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), die Königskerze (Verbascun thapsus) und die Schwertlilie (Iris germanica).

Am Kopf des Alten Botanischen Garten wurde 1873-77 im neugotischen Stil das Botanische Institut Marburg (heute: Institut für Pharmazeutische Biologie) erbaut. Architekt war Carl Schäfer, der als Universitätsbaumeister in Marburg wirkte und u.a. die Alte Universität Marburg, den Spiegelslustturm in den Lahnbergen und Schloss Rauischholzhausen plante.