Alme (Brilon)

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Einer der ältesten Ortsteile Brilons ist Alme, 952 erstmals erwähnt. Der Ort teilt sich den Namen mit dem Fluss Alme, der hier entspringt und nach 59km bei Schloss Neuhaus in die Lippe mündet. Alme liegt am nördlichen Rand der Briloner Hochfläche an der Grenze zur Paderborner Hochfläche.

Im Ort besuchen wir zunächst die katholische Pfarrkirche St. Ludgerus. Die ältesten Mauern im Untergeschoss stammen noch aus dem 16. Jahrhundert. Mitte des 17. Jahrhunderts entstand der Westturm, während der einfache, flach gedeckte Saal und der schmale Chorraum 1753-60 erbaut wurden. Sehenswert im Inneren sind der barocke Altar und die Pietà im gotischen Stil.

Im frühen 18. Jahrhundert entstand Schloss Alme, eine dreiflügelige Anlage mit zweigeschossigem Herrenhaus. Ursprünglich war das Wasserschloss Alme auf drei Seiten von wassergefüllten Gräften umgeben. Das schönste Stück Architektur an dem Schloss ist wohl der Mittelrisalit zur Gartenseite hin. Auf mächtigen korinthischen Pilastern ruht ein flacher Giebel, reich geschmückt mit ornamentalen Motiven. Auch das Portal ist reich verziert mit Rosetten, Muscheln und Früchten aus Stein.

Vorläufer des heutigen Herrenhauses war die alte Burg Niederalme, von der beim Bau der neuen Anlage einige Bauteile wiederverwendet wurden. Diese ältere Burg war 1506 entstanden. Sie war ebenso wie Burg Oberalme im Besitz der Familie von Meschede. Burg Oberalme ist die ältere von beiden, sie wird 1176 erstmals erwähnt, als sie sich im Besitz von Heinrich dem Löwen befand. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Heute steht an ihrer Stelle das Haus Tinne, ein im Jahr 1717 erbauter Gutshof.

Zur Zeit der französischen Revolution beherbergte Haus Tinne adelige Flüchtlinge aus Frankreich, die sich aus den nahegelegenen Almequellen im Mühlental mit Wasser versorgten. Nur nachts, in aller Heimlichkeit, trauten sie sich hinaus und stiegen über die Treppen zu den Quellen. Aus dieser Zeit stammt deren Name: Franzosentreppen.

Heutige Besucher der Almequellen, einem der größten Quellgebiete Deutschlands, können deren Schönheit zum Glück auch mitten am Tage genießen. 104 Karstquellen sprudeln hier an die Oberfläche und vereinen sich zu einem idyllisch gelegenen Quellteich mit rund 30m Durchmesser. Von hier aus beginnt die Alme ihren Lauf. Ein Spazierweg führt rund um den künstlich aufgestauten Teich, man kann ihn in einer gemütlichen halben Stunde absolvieren. Wer sich für Botanik interessiert, wird bemerken, dass sich hier ungewöhnliche Arten angesiedelt haben: Pyrenäen-Löffelkraut oder Blauer Eisenhut beispielsweise. Sie mögen das kühle, kalkreiche Wasser der Almequellen.

Die Entstehung des großen Quellgebiets hängt übrigens eng zusammen mit seiner geographischen Lage am Rand des Massenkalkzuges der Briloner Hochfläche. Das Kalkgestein ist löchrig wie ein Schweizer Käse, ausgewaschen durch Regen und Grundwasser, und vielerorts gibt es Bachschwinden und unterirdische Wasserläufe. Ganz ins Erdinnere verschwinden können sie nicht, das verhindert eine Schiefer-Schicht. Und so tritt das Wasser den Gesetzen der Physik folgend am tiefsten Punkt des Kalkgesteins wieder aus - und bildet die Almequellen.

Manchmal tuckert ganz in der Nähe ein alter Schienenbus vorbei. Rund 20m abseits des Teiches führt nämlich die alte Bahnstrecke der Almetalbahn entlang, die ursprünglich auf 60km Länge Brilon und Paderborn verband. Teile der Almetalbahn sind inzwischen stillgelegt, nur einige Abschnitte der Strecke werden noch genutzt. Teils für den Güterverkehr, teils aber auch für die Museumsbahn Waldbahn Almetal mit ihren zwei historischen Schienenbussen aus den 1960er Jahren. In den Sommermonaten nutzt sie den Streckenabschnitt zwischen Büren-Weinberg und Thülen.

Insgesamt 93,6ha groß ist das Naturschutzgebiet Almetal, in dem das Grünlandtal mit seinen Feucht- und Nasswiesen und den Relikten ursprünglicher Auwälder unter Schutz steht. Rund um Alme gibt es aber noch weitere Naturschutzgebiete. Südöstlich des Ortes etwa das 187ha große Naturschutzgebiet Tinne / Nehder Kopf mit seinen Waldmeister-Buchenwäldern. Oder im Westen die 42ha große Landschaft Hinterm Bruch, durchzogen von kleinen Bächen und bedeckt mit Erlen- und Eschenwald. Man kann es auch kurz auf einen Nenner bringen: Um Alme herum wandert es sich in wunderschöner, abwechslungsreicher Naturlandschaft.