Zwei-Burgen-Wanderung Neckarsteinach


Erstellt von: Rudi - Wanderatlas Redaktion
Streckenlänge: 16 km
Gehzeit o. Pause: 4 Std. 25 Min.
Höhenmeter ca. ↑607m  ↓607m
Kein Wegzeichen hinterlegt

Als hätte einer einen historischen Setzkasten ausgeschüttet: vier Burgen zieren das Ufer des Neckars in Neckarsteinach, das übrigens in der Vergangenheit gern als Filmkulisse genommen wurde, mit Stars wie Gary Grant, Alec Guinness, Robert Redford oder Gert Fröbe.

Es wundert einen nicht, dass gerade die Amerikaner so begeistert waren von dem Ort östlich von „Heidelbööhg“, der ersten deutschen Stadt, wo die amerikanischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg Quartier nahmen. Die vier Neckarsteinacher Burgen standen schon rund 300 Jahre hier, bevor die Bleichgesichter Amerika entdeckten.

Vier Burgen heißt auch unser Startparkplatz an der Neckargemünder Straße (B37/B45). Wir steigen hinauf zur Hinterburg am Burgenweg. Zur Orientierung: zur Burg Schadeck (Schwalbennest), südwestlich von uns, kommen wir am Ende, östlich sind die bewohnte Mittelburg (um 1165, mit Zinnen) und noch ein Stück weiter die Vorderburg (um 1200, vermietet), die nicht direkt an unserem Weg liegen, ebenso wie andere Sehenswürdigkeiten des schmucken Neckarsteinachs wie die spätgotische evangelische Kirche oder die barocke katholische Herz-Jesu-Kirche.

Die Hinterburg, auch Alt-Schadeck genannt, ist die Ruine einer Spornburg. Die Burg der Edelfreien von Steinach entstand um 1100 und ist die älteste im Quartett. Als Burgherr taucht Bligger von Steinach urkundlich auf, sein Sohn war Minnesänger und baute die Burg zu einer Stauferanlage aus. Um 1630 wurde sie zerstört. Erhalten haben sich Schildmauern und der Rest des Bergfrieds (25m). Im Inneren führt eine Treppe mit 63 Stufen zur 22m hohen Aussichtsplattform. Die Hinterburg wird von der Neckartalbahn getunnelt. Als Wanderung führt der Neckarsteig in seiner 2. Etappe auch hier längs.

Wir schlagen einen Bogen und kommen an die Steinach, die auf dem Weg in den Neckar ist. Wir sind auf dem Weg durch ein Wohngebiet und wandern bergan, den Philosophenweg und in Serpentinen den Bänkleweg. Wir kreuzen die Straße Wormser Weg, sind Richtung Darsberg auf dem Schwarzer Weg unterwegs.

Dann biegen wir in den Darsberger Weg, passieren die Hochzeits- und Eventlocation Waldschlösschen Hoher Darsberg, wandern durch Wald zum Hohen Darsberg (440m). Wir machen einen Abstecher zur Aussicht Goethe-Blick. Auf dem Höhenzug der Wanderung blicken wir nicht auf Goethe, sondern übers Neckartal.

Kurz drauf verlassen uns die Wanderer vom Neckarsteig, denn wir biegen nach links und kommen abwärts auf den Hungerbergweg und an die Steinach im Ortsteil Schönau, wo wir die Steinach queren. Der Untere Kalkofenweg führt uns gen Süden, mit Waldrand und Bebauungsgrenze von Lindenbach sowie der Steinach im Tal. Der Untere Steingatterweg führt uns an der Ruhesteinhütte vorbei, wo wir an der Wanderwegkreuzung auf den Burgenweg biegen. Der wird zum Teufelsteinweg und führt am Naturdenkmal Bligger-Linde vorbei, wir erinnern uns an die Burgenherrschaften. Das „Bäumchen“ kommt auf 450 Jahre, sagt die Tafel. 

Ziel ist jetzt die Burg Schadeck, das Küken im Burgenquartett. Sie wird auch Burgruine Schwalbennest genannt, entstand 1230 an einem steil abfallenden Bergmassiv über dem Neckar. Man musste ordentlich Felsen wegstemmen, um genügend Grundfläche zu erhalten. Man sieht Schildmauern und einen Wehrgang mit zwei runden Türmen und achteckigem Aufsatz, der im 19. Jahrhundert im Zuge der Romantisierung drauf kam. Ein Anblick, der auch Mark Twain berührte, der auf einer Floßfahrt war und den Burgen im „Bummel durch Europa“ Zeilen widmete.

Bildnachweis: Von Bytfisch [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons

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