Wollseifen

Wäre man ein Location Scout für besondere Drehorte würde man Wollseifen für einen Schlimm-Film vorschlagen wollen. Wollseifen wird auch das tote Dorf genannt. 120 Familien wurden 1946 von der britischen Militärverwaltung gezwungen, ihr Heimatdorf Wollseifen binnen drei Wochen zu verlassen. Wohin sie gehen sollten, wurde nicht gesagt.

Die Briten beschlagnahmten Wollseifen und gliederten den Ort dem Truppenübungsplatz Vogelsang an. In Wollseifen übte man den Häuserkampf. Die Royal Army ballerten nieder, was noch übrig geblieben und teilweise von den Bewohnern wieder hergerichtet worden war. Die Häuser brannten aus und nur einige Gebäude wurden erhalten, weil dort Manöverunterkünfte betrieben wurden. Es blieben Reste der Kirche und der ehemaligen Schule erhalten, ebenso steht noch die ehemalige Schmiede und ein Trafotürmchen, das 1923 aufgestellt wurde.

1955 war klar, dass Wollseifen Truppenübungsgelände bleiben würde und die Politik beschloss, die Menschen zu enteignen. Bis heute gab es keine Entschädigungen. Die alten Wollseifener sind ihrem Dorf dennoch weiterhin verbunden und es gibt einen Förderverein, der sich der alten St. Rochus Kirche angenommen hat, um sie wieder herzurichten. Auch die alte Schule wurde wieder restauriert.

Erstmalig dokumentiert wurden Gottesdienste in der St. Rochus Kirche ab dem Jahr 1470. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfuhr St. Rochus eine barocke Erweiterung und die Erhebung zur Pfarrkirche. Weitere Ausbauten folgten. 1947 brannte die Kirche komplett aus. Mit der nötigen respektvollen Zurückhaltung wurde die Kirche St. Rochus vom Schutt befreit, Erhaltungsmaßnahmen ergriffen und einmal jährlich findet zum Patronatsfest ein Gottesdienst statt.

Vor der Kirche steht ein Modell, wie Wollseifen einst 1943 ausgesehen hat. Infotafeln erläutern das Schicksal des Ortes. Gegenüber der Kirche glotzen den Wanderer Rohbauten aus toten Augen an. Die Geisterhäuser dienten nur dem Zweck, den Belgiern, die den Briten 1950 folgten, als Gerüste und Deckungen für Häuserkampftrainings standzuhalten. Bis 2005 wurde hier geübt.

Wollseifen liegt nahe der Ordensburg Vogelsang und man kann von dem Parkplatz an der B 266 die Wüstung fußläufig erreichen (1,6km). Zudem ist Wollseifen ein sehenswerter Ort auf dem Eifelsteig und dem Wildnis-Trail. Rangertouren und Kutschfahrten ergänzen die Möglichkeit, diesen bemerkenswerten Ort und die Umgebung zu erschließen.

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