Witten-Herbede

Am linken Ufer des Kemnader Sees schmiegt sich Witten-Herbede in eine Ruhrbeuge, die begleitet wird von der Strecke der Ruhrtalbahn und dem Ruhrtalradweg. Die Ruhr spaltet sich nördlich des historischen Ortskerns auf und bildet eine kleine Insel, die sich Hundeinsel nennt und von der A 43 überspannt wird. Witten-Herbede ist der älteste und größte Stadtteil von Witten. Rund 13.500 Menschen leben hier südlich der Ruhr mit zahlreichen grünen Flächen und nah zu den anderen Zentren, wie Essen, Bochum oder Dortmund.

Als Villa Herribeddiu wurde Witten-Herbede erstmals 851 erwähnt. Herausragend aus allen Baudenkmälern dieser langen Geschichte Witten-Herbedes ist das Haus Herbede als eines der ältesten bekannten Gebäude in Witten. Es befindet sich zwischen Ortskern und Ruhr in der Von-Elverfeldt-Allee und bietet zahlreiche kulturelle Angebote sowie Gastronomie im mittelalterlichen Gewölbekeller. Die Vorburg, von einer Mauer geschützt, dient heute als Begegnungsstätte und beheimatet eine Galerie.

Haus Herbede ist ein Rittergut mit einer Geschichte, die bis ins 11. Jahrhundert führt. Seinerzeit war das Haupthaus von Wassergräben umgeben. Als Baudatum des Rittergutes wurde das Jahr 1208 angegeben, aus der Zeit stammt auch die Erwähnung als Gerichtssitz. Das Haus wurde ab 1311 durch die Familie von Elverfeldt bewohnt und verwaltet. Im 14. Jahrhundert wurden die Holzbauten durch festes Mauerwerk aus Ruhrsandstein ersetzt und ein Turm wurde angebaut.

Nach einem Brand um 1500 wurde 1540 ein unterkellerter Neubau errichtet, der 23 Jahre später durch weitere Anbauten mit anderen Gebäuden verbunden wurde, so dass die vierflügelige Anlage mit einem Innenhof entstand. Im 18. Jahrhundert fand ein Rückbau der Hauptgebäude auf eine Höhe statt und so zeigt sich das Haus Herbede noch heute. 17 Generationen der Elverfeldts lebten hier bis 1889. Im Anschluss daran wohnten Bürger zeitweilen in dem ehemaligen Rittergut und es wurde als Unterbringung für Arbeiter verwendet.

Im Herbeder Zentrum finden sich in der Kirchstraße rund um die evangelische Kirche weitere Zeitzeugen in Form von Fachwerkbauten. Die evangelische Kirche feiert 2014 das 200jährige Bestehen des Kirchenschiffs.

Durch das Zentrum Herbedes führt die Meesmannstraße mit Einkaufsmöglichkeiten und weiteren geschützten Fachwerk- und Steinhäusern, auch aus der Zeit des Klassizismus. Etliche Fachwerkbauten und ein Hof aus dem 19. Jahrhundert sind entlang der Vormholzer Straße schön anzusehen. Vormholz ist ein Stadtteilgebiet von Herbede. In nördlicher Richtung, in der Wittener Straße, fällt das alte Rathaus von Herbede mit dem Uhrentürmchen auf dem Mansarddach auf sowie dem Nebengebäude.

Nahe der Ruhr, in der Straße Ruhrtal, ist die Villa Ernst Lohmann aus dem Jahr 1882 sehenswert, da man hier den Übergang vom Spätklassizismus zur Neorenaissance entdecken kann. Familie Lohmann hatte eine Stahlfabrik, die 1790 in Witten gegründet wurde.

Gleich benachbart ist die Villa Ruhrtal. Die ebenfalls dreigeschossige repräsentative Villa im Stile des Historismus und der Neorenaissance wurde 1895 durch einen Unternehmer gebaut. Aus Bruchstein und Ziegel mit Gefachen besteht das Mühlengebäude (Ruhrtal 12). Aus dem Jahr 1919 stammt, südlich der Hundeinsel in der Schlosstraße, der Wasserturm Luhn & Pulvermacher.

Im Uhrzeigersinn befinden sich die Stadtteile Vormholz, Bommerholz-Muttental, Durchholz mit der nahen Zeche Blankenburg, die von 1865 bis 1960 Kohle förderte, und Buchholz-Kämpen um Witten-Herbede. Diese Stadtteilbezirke werden auch gerne „die Hölzer“ genannt.

Buchholz-Kämpen liegt südwestlich des Herbeder Zentrums im Hammertal. Das Hammertal verortet sich zwischen Witten, Sprockhövel und Hattingen-Blankenstein. Seinen Namen trägt es aufgrund der hier vom Pleßbach angetriebenen Schmiedehammer im 19. Jahrhundert.

An diese Zeit schloss sich auch im Hammertal der Abbau von Steinkohle an. Ein Relikt aus der Grubenzeit ist der Wetterkamin der Zeche Blankenburg. Der Schornstein wurde 1856 errichtet. Der Kamin sorgte dafür, dass der Rauch aus dem Kesselhaus der Zeche Geschwind abdampfen konnte. Durch die Sogwirkung wurde frische Luft für die Arbeiter unter Tage herbeigeführt.

Die letzte Kleinzeche des Ruhrgebiets liegt am Kamperbach bei Buchholz-Kämpen. Die Zeche Egbert war ein Steinkohlen-Bergwerk, in dem der Betrieb erst 1962 aufgenommen wurde und 1976 endete. Sechs Bergmänner bauten hier in einer Teufe von 135m Steinkohle ab, bis zu zwei Tonnen pro Tag und Mann. Mit dem Ende dieser Kleinzeche, endete auch die Kohleförderung im Ennepe-Ruhr-Tal.