Wiesbaden-Bierstadt

Noch heute wird die frühere Weltkurstadt Wiesbaden von zahlreichen Gästen aus gesundheitlichen Gründen angesteuert. Grund ist die stolze Zahl von fast zwanzig Kur- und Spezialkliniken, die in Wiesbaden heimisch sind. Viele davon residieren im Aukammtal, das quasi die nordwestliche Verlängerung des Kurparks in die Wiesbadener Stadtteile Bierstadt und Sonnenberg ist.

Im Aukammtal wurden in den 1970er Jahren die Aukammtal-Anlagen, eine beliebte Parkanlage, angelegt. Der Aukammbach fließt in einem künstlich geschaffenen Bachlauf durch das modellierte Gelände. Durch die geschwungene Uferlinie und die abwechslungsreiche Uferbepflanzung entsteht der Eindruck eines natürlichen Gewässers.

Am unteren Ende der Aukammtal-Anlagen liegt das Thermalbad Aukammtal. Am oberen Ende schließt sich der Apothekergarten an. Der Apothekergarten wurde 1986 auf einer Fläche von 5.500qm eröffnet. Die Anordnung der 28 Beete orientiert sich an der Wirkung der Pflanzen und ihrem medizinischen Nutzen. Ein kleiner Teich und die mit Grasflächen voneinander abgegrenzten Beete mit ihren Pflanzen, Kräutern und Stauden machen den Besuch des Gartens zu einem besonderen naturnahen Erlebnis. Rundbauten und Holzbänke laden zum Verweilen und Genießen ein.

Nach dem Passieren der Bundesstraße B 455 kommt man vom Apothekergarten in den alten Ortskern von Bierstadt, das erst 1928 nach Wiesbaden eingemeindet wurde. Seitdem kann man in Bierstadt stolz verkünden: Hier bei uns in Bierstadt steht die älteste Kirche von Wiesbaden – und interessanterweise auch die einzige ohne Kanzel! Die evangelische Kirche Bierstadt wurde 1080-1100 als romanische Saalkirche erbaut. Das bis heute genutzte Taufbecken mit dem Bogenfries am oberen Rand stammt noch aus dieser Zeit. Um 1200 wurde der Turm mit gotischen Stilelementen angebaut, um 1730 die gesamte Bierstadter Kirche im barocken Stil umgestaltet.

Dennoch ist nicht die Bierstadter Kirche Wahrzeichen von Bierstadt geworden, sondern die deutlich jüngere Bierstadter Warte, die 1473 auf der Bierstadter Höhe errichtet wurde. Die Bierstadter Warte ist gut zehn Meter hoch und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Darstellungen der Bierstadter Warte finden sich bereits in historischen Gerichtssiegeln und noch heute bildet eine stilisierte Darstellung des Wartturms in silber auf rotem Grund das Ortswappen von Bierstadt.

In der Nachbarschaft der Bierstadter Warte liegt die Martin-Niemöller-Schule und hier befindet sich seit 1976 die Sternwarte Wiesbaden. Betreiber der Sternwarte ist die Astronomischen Gesellschaft Urania 1925, die von Franz Kaiser gegründet wurde. Kaiser entdeckte über 75 Kleinplaneten, von denen er zwei nach Heimatstadt benannte: Wisibada (1911) und Mattiaca (1913).

Auf der anderen Seite des Moltkerings, der hinter der Sternwarte verläuft, liegt noch eine interessante architektonische Perle Wiesbadens, das Solmsschlösschen. Das Solmsschlösschen wurde 1890-92 nach dem Vorbild von Schloss Braunfels erbaut. Das Solmsschlösschen besitzt eine eigene Kapelle sowie eine große, über zwei Stockwerke reichende und ganz aus Holz bestehenden Halle. Mit dem Bau des prachtvollen Solmsschlösschens wurde in Wiesbaden das bis dato als bäuerlich eingeschätzte Fachwerk en vogue und findet sich seitdem in den Obergeschossen vieler Wiesbadener Villen.