Weilmünster

Der Marktflecken Weilmünster liegt am Nordhang des Taunus im Weiltal und ist das Zentrum der gleichnamigen Gemeinde im Naturpark Hochtaunus. 1935 erhielt der Ort die Rechte eines Marktfleckens und konnte sich so neben verwaltenden Funktionen auch als Wirtschaftsstandort etablieren.

Zusammen mit den Marktrechten erhielt Weilmünster sein Wappen. Es weist eine Kirche, sowie einen Löwen auf. Der Löwe ist dabei auf die Herrschaft des Hauses Nassau und dessen ehemaligen Herzogtum zurückzuführen. Neben dem nassauischen Löwen findet man die evangelische Kirche des Ortes auf dem Wappen wieder.

Die evangelische Kirche wurde 1511 geweiht, aber der frei stehende Wehrturm der Kirche stammt bereits aus dem frühen 13. Jahrhundert. Ihr heutiges barockes Erscheinungsbild erhielt die Kirche 1790. Die Innenausstattung bietet einen Querschnitt der verschiedenen Bauepochen. So stammen Empore, Opferstock und Kanzel aus dem 17. Jahrhundert und die Orgel und das Taufbecken aus dem 18. Jahrhundert.

Neben dem Wehrturm der evangelischen Kirche wurde in Weilmünster ein weiterer Turm zur Sicherung des Ortes errichtet: der Kirbergturm, der fälschlicherweise auch Römerturm genannt wird. Der Kirbergturm entstand um das Jahr 1600 und war einst Teil der Verteidigungsanlage der Stadt und thront heute, Ende der 1980er Jahre renoviert, über Weilmünster. Der Turm ist über 20m hoch und wird heute als Aussichtsturm genutzt. Neben dem Kirbergtrum findet man noch Reste der ehemaligen Stadtmauer.

Vom Turm aus hat man neben manchen ansehnlichen alten Fachwerkhäusern auch zwei besondere Bauwerke des Ortes im Blick. Die Heimatstube und das ehemalige nassauische Amtshaus. Das ehemalige nassauische Amtshaus mit seinem angebauten Bollesche (Backhaus) dient nach seiner Sanierung 1979-80 heute als Standes- und Bauamt. Passend zur Funktion des Standesamtes mag mancher denken, dass die ehemalige Funktion des Backhauses als Gefängnis passend erscheint. Das nassauische Amtshaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und hat bis heute verschiedensten Nutzungen gedient. Einst als Haus des Oberschultheißen errichtet, war es mit der Zeit auch Sitz der Schule und Wohnhaus.

Die Heimatstube Weilmünster befindet sich seit 1998 in einem Haus aus dem frühen 18. Jahrhundert. Hier informiert der Heimatverein Weilmünster über Geschichte und Lebensweise des Ortes. Sehenswert sind die Schnitzereien und die Oberlichttür, die aus dem Jahre 1837 stammt.

Ein dunkles Kapitel erlebte Weilmünster während der NS-Zeit. Die hier 1897 eingerichtete Landesheil- und Pflegeanstalt Weilmünster war grausiger Schauplatz des Todes von über 6.000 Menschen. Ein Denkmalstein auf dem Gedenkfriedhof für die Opfer der NS-Euthanasie am heutigen Klinikum Weilmünster erinnert an diese schlimme Zeit.