Wehr (Eifel)

Man folgt der Grasnarbe nach unten sozusagen. Wenn man nach Wehr möchte, muss man nämlich runter, in einen Vulkan, genauer, in einen Einbruchkessel (Caldera). Der Vulkan hat rund 300.000 Jahre im Gestein und war zuletzt vor 150.000 Jahren zornesrot unter der Oberfläche. Eine unterirdische Magmakammer brach ein und der Rest der Erde droben folgte. Westlich des Ortes sind die Abbruchkanten noch ersichtlich. Der Wehrer Kessel misst etwa 2km im Durchmesser.

Die heiße Geschichte kann die rund 1.100 Menschen in Wehr nicht schrecken. Der Ort, westlich von der Abtei Maria Laach und dem Laacher See gelegen, tauchte bereits 920 urkundlich auf. Das ehemalige Prämonstratenserkloster war eine Niederlassung des Klosters Steinfeld und entstand ab dem 13. Jahrhundert. Wie es sich gehörte entstand zeitgleich eine Klosterkirche, deren stattlicher Westturm aus Tuffsteinquadern ein gutes Beispiel für die rheinische Spätromanik ist.

Der Turm gehört heute zur katholischen Pfarrkirche St. Potentinus, die als gotisierender Saalbau 1702 errichtet wurde. Gerühmt wird die im Rheinland selten anzutreffende Einheitlichkeit der Ausstattung, die zum Glück für die Betrachter noch recht vollständig erhalten ist. Stilistisch aus einem Guss möchte man sagen, wenn man die drei Altäre betrachtet mit den Tafelbildern und den zwölf lebensgroßen Apostelfiguren. Kanzel und Kommunionsbank sind aus der gleichen Zeit. Aus dem 14. Jahrhundert stammt die thronende Madonna mit dem Kind.

Zur ehemaligen Klosteranlage gehört auch die Kellerei, das Gebäude der Gutsverwaltung. Es entstand 1730 aus wechselnden Schichten von hellem und dunklem Tuff und kommt auf stattliche 17 Achsen unter einem Mansardwalmdach.

Wenn man auf den Westturm der Kirche zuschreitet, fällt der große und gepflegte Garten auf. Die ehemalige barocke Gartenanlage war der Nutz- und Ziergarten der Mönche und in vier Beete unterteilt. Bienenkörbe haben in der Nordwestmauer Platz gefunden und das Leben hätte so weitergehen können, wenn durch die Säkularisation 1802 dem nicht ein Ende gesetzt worden wäre. Das gesamte Klosterareal konnte an die Wehrer Bürger gehen, die sich liebevoll auch heute noch um die Anlage kümmern.

Eine Nutzung der Erde auf ganz andere Art findet man in der Caldera hier und da in Form von schwarzen großen Tonnen, verbunden mit einem Rohrsystem, man wundert sich. Aber nur so lange, bis man um den Bodenschatz hier Kenntnis hat. Im Wehrer Kessel lagert das größte Kohlensäurevorkommen Europas. Der erzeugende Magmaherd liegt rund 5km tief unten und gibt Kohlendioxyd frei, das sich mit Grundwasser vermischt und zur Kohlensäure wird, die man in Erfrischungsgetränken sehr zu schätzen weiß.