Unionskirche Idstein

Die ehemalige Stiftskirche St. Martin wurde wohl 1335-50 erbaut und zwar im Zuge der Errichtung des St. Martinsstifts 1340. 1665-77 erfolgte ein weitgehender Umbau zur Predigt- und Hofkirche im evangelischen Sinne. Anlässlich des 100. Jubiläums der Union zwischen Lutheranern und Reformierten 1917 wurde die bis dahin einfach Stadtkirche heißende Hauptkirche von Idstein in Unionskirche umbenannt.

Die ältesten Bauteile der Idsteiner Unionskirche stammen aus dem 13. Jahrhundert und finden sich im Unterbau des nördlich den Chor flankierenden Turmes. Dieser wurde 1714 erhöht und bekam einen achteckigen Spitzhelm mit Giebeln. Die gesamte Chorwand mit ihren Strebepfeilern stammt ebenfalls aus der Zeit 1340-50. Das Schiff behielt im Wesentlichen die Form der mittelalterlichen Basilika bei, bekam aber 1665-1677 eine Verlängerung nach Westen.

Einzigartig sind in der Idsteiner Unionskirche die großformatigen Bilder an Wänden und Decke. Sie sind inhaltlich so aufeinander bezogen, dass sie als eine Predigt zu lesen sind. Für diese Verbildlichung hat der Bauherr, Graf Johannes von Nassau-Idstein, zu einer ungewöhnlichen Darstellung gegriffen: Er ließ die aus dem Neuen Testament genommenen Szenen des Evangeliums auf Leinwand malen und die 38 Einzelbilder - nur durch schmale Rahmenleisten getrennt - an Wänden und Decke befestigen. Der Idsteiner Bilderzyklus entstand 1673-78 und gehört dem niederländischen Kunstkreis in der Nachfolge von Rubens an. Dieses anspruchsvolle Konzept der Gestaltung einer Kirchendecke war ohne Vorbild und ist auch ohne Nachfolge geblieben.

In der Unionskirche von Idstein befinden sich auch einige Grüfte und Grabdenkmäler, teils aus Lahnmarmor gefertigt. In der Fürstengruft unter dem Chor stehen einige Zinnsarkophage mit den sterblichen Überresten von Grafen und Fürsten von Nassau.

Der ehemalige Trockenspeicher gegenüber der Unionskirche ist ein letztes Beispiel für das ehemals hier ansässige Gerbereigewerbe. Die Löhergasse am nahe gelegenen Wörsbach war seit dem Mittelalter Standort der Gerbereien und Lederbereitung. Das Gerberhaus von 1816 ist das letzte von rund dreißig Gebäuden dieser Art. Die Holzlamellen im Satteldach dienten der Belüftung des zum Trocknen aufgehängten Leders. Seit Gründung der ersten Lederfabrik 1810 war die Lederverarbeitung zeitweise wichtigster Wirtschaftsfaktor der Stadt.

Die katholische Pfarrkirche St. Martin in der Wiesbadener Straße wurde 1965 eingeweiht. Dem Neubau mit seinem Langhaus und halbrundem Chor aus wuchtigen Natursteinwänden ist ein getrennt stehender, 42m hoher Rundturm aus Sichtbeton mit einer Gedenkstätte im Innern zur Seite gestellt.

Idstein hatte früher auch eine große jüdische Gemeinde. Die ehemalige Synagoge lag in der früheren Judengasse, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Felix-Lahnstein-Straße umbenannt wurde nach dem letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde.