Schloss Reichartshausen

Oestrich war die mittelalterliche Logistik-Metropole des Rheingaus. Und das nicht nur wegen dem Oestricher Kran. Vor allem der Weinhof Reichartshausen diente über Jahrhunderte als Umschlagplatz für die vom Kloster Eberbach gekelterten Weine. 1162 erhielt Reichartshausen per päpstlicher Bulle Steuerfreiheit und so begann ein reger Handel: Kloster Eberbach lieferte Weine, im Gegenzug kamen Lebensmittel aller Art zurück. Und der Umschlagplatz war Reichartshausen.

Erst 1737-40 wurde dann aus dem Wirtschaftsstandort Reichartshausen das Schloss Reichartshausen. Nach der Säkularisation von Kloster Eberbach 1803 fiel Schloss Reichartshausen zunächst an den Herzog von Nassau. Später baute der Hattenheimer Weinhändler August Wilhelmj Schloss Reichartshausen nach und nach um.

Ab 1969 war Schloss Reichartshausen dann im Besitz der damals im Bundesbesitz befindlichen Firma Fritz Werner Werkzeugmaschinen, die einen Repräsentationssitz für ihre internationalen Waffengeschäfte benötigte. Aus dieser Zeit stammt auch das Birmanische Teehaus im Schlosspark. Das Teehaus wurde dem Unternehmen von der Birmanischen Regierung geschenkt und ist eine Kopie der Eingangshalle des königlichen Palastes von Mandalay, die für die Weltausstellung von 1967 in Montreal angefertigt worden war.

1980 ist die EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Schloss Reichartshausen eingezogen. 1971 in Offenbach als erste private wissenschaftliche Hochschule für Betriebswirtschaftslehre in Deutschland gegründet, darf sie sich seit 2011 auch erste deutsche Hochschule für Wirtschaft und Recht nennen.

Schloss Reichartshausen liegt umgeben von Weinbergen am Ortsrand von Hattenheim. Hier erstreckt sich auf 6ha Fläche der Hattenheimer Pfaffenberg, ein Clos, d.h. ein von einer Mauer umschlossener Weinberg. Die geschützte Lage und die nach Süden dem Rhein zugewandte Hangneigung ergeben ein besonderes Klima, das dazu führt, dass Blüte und Reife im Hattenheimer Pfaffenberg etwa acht Tage früher als sonstwo im Rheingau stattfinden. Allgemein zeichnet sich der Riesling des Pfaffenbergs durch eine duftige Frucht (Anklänge an Pfirsiche), erdige Würze und ein kräftiges Säurespiel aus.