Schloss Oedenthal

Wo Linnepe und Grebbecke am nördlichen Rand der Lüdenscheider Mulde zusammenfließen, ragt ein Bergvorsprung hoch auf. Darauf thront ein Herrensitz, Schloss Oedenthal. Schon 1160 wird das Anwesen erstmals als Odincdala genannt. Es muss sich ursprünglich um eine Wasserburg gehandelt haben, komplett mit Zugbrücke. Doch davon ist heute leider nichts mehr zu sehen, denn ein Brand zerstörte 1865 die Wasserburg. Erst danach entstanden die Gebäude, die man heute noch hier sieht.

Dass man dabei die alten Fundamente wiederverwendete, lässt sich leicht an der unregelmäßigen Bauform ablesen. Ein wuchtiger Turm wird rechts und links von zwei unterschiedlich hohen Flügeln begleitet. Bemerkenswerte Details von Schloss Oedenthal sind der Tudorbogen zur Straße hin sowie allerlei Schmuckelemente an den Fassaden, die ebenfalls dem Tudorstil zugerechnet werden können. Wer sich für diesen Baustil interessiert, könnte übrigens auch Schloss Herdringen in der Nähe von Arnsberg einen Besuch abstatten, das eine deutliche Ähnlichkeit mit Schloss Oedenthal aufweist.

An dem schon genannten Tudorbogen befindet sich übrigens auch das Wappen der Familie von Holtzbrinck. 1725 hatte Georg Hermann von Holtzbrinck das Schloss auf einer Versteigerung gekauft. Rund 200 Jahre lang blieb es im Besitz der Familie, bevor das Anwesen 1931 in bürgerlichen Privatbesitz kam.

Wie an so vielen Orten im Märkischen Sauerland hatte auch hier Jahrhunderte lang die Wasserkraft große Bedeutung. Direkt unterhalb des Schlosses steht die Oedenthaler Wassermühle. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein trieb das oberschlächtige Wasserrad diverse Maschinen an. Von der Getreidemühle über die Dreschmaschine, eine Knochenmühle bis hin zu diversen Küchenmaschinen im Backhaus. Auch Strom wurde zeitweilig über einen Generator erzeugt. Seit den 1980er Jahren ist die Mühle allerdings nicht mehr in Betrieb und verfällt zusehends. Im Gebäude ist heute ein gastronomischer Betrieb untergebracht.