Schachten- und Filzentour im Nationalpark Bayerischer Wald


Erstellt von: Rudi - Wanderatlas Redaktion
Streckenlänge: 21 km
Gehzeit o. Pause: 5 Std. 26 Min.
Höhenmeter ca. ↑644m  ↓644m
Empfohlene Wandertouren im Nationalpark Bayerischer Wald

Gut 400 Jahre ist es her, dass der Mensch dem Wald Freiflächen abrang. Die Rodungen dienten im Bayerischen Wald den weidenden Jungtieren, anders als in den Alpen, wo Milchvieh gehalten wird, um beispielsweise Bergkäse zu erzeugen. Die Schachten im Bayerischen Wald und angrenzenden Böhmerwald entlasteten die Weiden im Tal, wo auch Winterfutter erzeugt werden musste.

Bei den Rodungen wurden einzelne Bäume stehen gelassen, als Sonnenschirme für das Vieh. Die Flächen werden aus geschichtlichen Gründen heute gepflegt. Wir starten in Buchenau und werden 360m Höhenunterschied auf den ersten rund 3,3km bewältigen.

Es geht mit dem Pommerbach hinauf zum Lindberger Schachten, der 1619 angelegt wurde, damals maß er über 16ha, heute sind es noch rund 9ha. Bis 1924 fand Weidewirtschaft statt. Jetzt freuen sich Sammler über die vielen Heidelbeeren, die es hier zu pflücken gibt.

Unser Weg trifft auch auf den Goldsteig. Wir bleiben in der Höhenlage und wandern zur Hirschbachschwelle, einem kleinen Staubecken des Hirschbachs, auch genannt Hirschbachklause. Schwellen oder Klausen dienten der Holztrift.

Unser Weg führt uns ins Zwieselter Filz. Per Bohlenweg bleiben die Füße im Hochmoor trocken und wir erleben seltene Pflanzen wie Sonnentau oder Wollgras, Moos- und Rauschbeeren, den Wechsel in der Natur von Borkenkäferschäden und strotzenden Latschen.

Weiter geht’s zum Kohlschachten. Vin 1733 bis 1961 wurde hier Vieh aufgezogen. Ein bisschen „Westerngefühl“ macht sich breit, beim Betrachten des übrig gebliebenen Baumbestands. Was abstirbt wird von Moosen bedeckt. Gräser wiegen sich, wer es weiß, erkennt Arnika und Enzian.

Wo Nässe droht führen Bohlen durch den Latschenfilz. Etliche Libellen surren über die Tümpel. Durch die Schuttergasse kommen wir zum Hochschachten, der früher mit dem Kohlschachten zusammen war. 2018 wurde die Beweidung wieder aufgenommen. Hier erlebt das rote Höhenviel vom Ruckowitzschachten am Falkenstein einen Teil seiner Sommerfrische.

Dann gelangen wir zum Almschachten mit einer Schutzhütte. Hier wurde früher auch mal Käse hergestellt. Weiter talwärts mit dem Goldsteig wandern wir zum Verlorenen Schachten, der von Nationalparkgebiet ausgespart wird und nach wie vor im Familienbesitz der Freiherrn von Poschinger ist.

Wenn wir auf den Judenweg gelangen, dort nach rechts wandern, sind wir nicht mehr auf dem Goldsteig. Linkerhand fließt der Kleine Regen und wir wandern über das Areal der Schachtendiensthütte und wählen die Schachtenstraße in Richtung Trinkwassertalsperre Frauenau.

Dann wandern wir nördlich dem Alten Triftkanal. Rechterhand ist die Vorsperre Kleiner Regen und dann sehen wir die hübsch gelegene Talsperre Frauenau. Trinkwassermangel war der Grund für den Bau (1976-1983) mit 94ha Wasseroberfläche. Das Wasserreservoir wird durch die Flüsse Kleiner Regen und Hirschbach gespeist. Die Kapazität liegt bei 21,7 Mio. Kubikmetern. Wir wandern über den Damm und haben bis Buchenau noch rund 2,5km.

In Buchenau kommen wir am Schloss Buchenau vorbei, das 1840 für Ferdinand von Poschinger, den künftigen Gutsherrn, erbaut wurde. Später gehörte es einer in den 1950ern/60ern sehr bekannten Kochbuchautorin, Erna Horn. Seit 2006 gehört es einem Förderverein.

Bildnachweis: Von Rosa-Maria Rinkl [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons

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