Sauerländer Dom

Ein Symbol der einstigen Bedeutung der Hansestadt Attendorn ist die weithin sichtbare Pfarrkirche St. Johannes Baptist, die aufgrund ihrer Ausmaße nicht nur das Stadtbild prägt, sondern auch den Beinamen Sauerländer Dom trägt.

Einer der bedeutendsten Kunstschätze, die darin zu sehen sind, ist die gotische Pietà, die um das Jahr 1400 entstand. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden mehrere Teile der heutigen Inneneinrichtung in der Werkstatt des Attendorner Bildhauers Johann Sasse: Die Kanzel, die gewaltige Christophorus-Statue, mehrere Apostelstatuen im Chor der Kirche sowie die beiden Seitenaltäre werden ihm zugerechnet.

Der Kirchturm ist älter als das Kirchenschiff, er stammt vom Vorgängerbau, einer um das Jahr 1200 errichteten Basilika. Die Turmbekrönung, eine welsche Haube, ist allerdings deutlich jünger. Sie stammt aus der Zeit nach der Feuersbrunst, die 1783 in Attendorn wütete.

Um das Geläut der Kirche rankt sich eine besondere Geschichte. Es soll seinen besonderen Wohlklang dadurch erhalten haben, dass ein Glockengießergeselle versehentlich eine Platte reines Gold für den Guss einschmolz. Eigentlich hatte der Meister diese Platte für sich zur Seite schaffen wollen. Als er von einem Arbeitseinsatz außerhalb der Stadt zurückkehrte, erkannte er am Klang der Glocke, was passiert war - und erschoss den Gesellen. So zumindest erzählt es die Sage. Immerhin erzählt sie auch noch, dass der mordende Meister wegen seiner Tat zum Tode verurteilt wurde.

Die St. Johann Baptist Kirche ist auch der Zielpunkt von vier Prozessionen, die sich am Ostersonntag von den Stadttoren auf den Weg machen. Sie sind Teil eines Jahrhunderte alten Brauchtums. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei die Semmelsegnung am Ostersamstag. Die eigens gebackenen Ostersemmeln erinnern von der Form her an einen Fisch, das alte christliche Symbol. Das Kümmelteig-Gebäck wird am Ostersamstag feierlich gesegnet. Das Schauspiel zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher aus nah und fern an und ist in seiner Art einzigartig. Urkundlich ist diese Tradition schon im Jahr 1658 erwähnt.

Ebenfalls zur Ostertradition gehören vier Fichten mit einer Höhe von 30m, aus denen die Osterkreuze errichtet werden. Auf den Hügeln gegenüber den ehemaligen Stadttoren werden diese am Ostersonntag aufgestellt. Abends um 21 Uhr werden die Osterfeuer entzündet, zeitgleich bewegen sich die besagten vier Prozessionen von den Stadttoren zum Sauerländer Dom. Dort beschließt eine Abendandacht das Osterfest.

Eine weitere bemerkenswerte Kirche in Attendorn ist die Hospitalkirche St. Barbara. Sie hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Als gotische Marienkapelle gebaut, war sie im Mittelalter Teil eines Hospitalkomplexes. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie des Öfteren umgebaut und erweitert, bis sie in der Barockzeit schließlich die Gestalt hatte, die heute zu sehen ist. Das Hospital hatte große Bedeutung nicht nur für die einheimische Bevölkerung, sondern vor allem auch für die durchreisenden Händler und Pilger, denn Attendorn lag an der wichtigen mittelalterlichen Heidenstraße. Das eigentliche Hospital wurde 1975 abgerissen, seitdem erinnert nur noch die Hospitalkirche daran.

In Attendorn gibt es seit 1849 auch eine evangelische Kirchengemeinde. Diese errichtete 1914 hinter dem Sauländer Dom die Erlöserkirche im Jugendstil. Durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt wurde die Attendorner Erlöserkirche 1997 wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt und bildet einen bemerkenswerten Kontrapunkt zur katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist.

Regionaler Bezug:

Attendorn Kreis Olpe Nordrhein-Westfalen Attendorner Mulde Ebbegebirge Sauerland