Rudlos

Rudlos ist der kleinste Stadtteil Lauterbachs und liegt südlich der Kernstadt im Übergang zum Oberwald. Der kleinste Stadtteil hat natürlich auch eine kleine Kirche, und die gilt sogar als kleinste Fachwerkkirche in Oberhessen. Ob’s stimmt, kann nicht exakt überprüft werden, der Titel ist auf jeden Fall nicht völlig aus der Luft gegriffen, wie man sich denken kann, wenn man vor dem kleinen Kirchlein steht.

Die Fachwerkkirche steht im Dorfzentrum. 1457 wurde in dem Örtchen eine Kapelle eingeweiht und 1691 die Nachfolgerin in einer eher schlichten Ständerkonstruktion erbaut. Dieses Datum wird in der hessischen Denkmalliste geführt, eine andere Quelle nennt 1770 als Entstehungsdatum. Die Kirche ist geostet und heute zu einem kleinen Teil verschindelt, doch nach wie vor gilt sie als ein Schmuckstück.

Auf dem Kirchenschiff und dem Krüppelwalmdach sitzt ein kleiner sechsseitiger Haubendachreiter, aus dem die im 16. Jahrhundert gegossene Glocke aus der ehemaligen Lauterbacher Wendelskapelle schallt. Im Kirchenschiff sind drei Emporen angebracht. Ein spitzer Chorbogen trennt optisch den Altarraum von der Gemeinde. Die Emporen sind mit acht Apostelbildern geziert.

Im 18. Jahrhundert arbeiteten die meisten Menschen auf dem Riedeselschen Hofgut. Mitsamt des Herrenhauses wurde es in den 1940er Jahren zu einem Versuchsgut der Behring Werke IG Farben in Leverkusen, später dann Bayer. Im Anschluss daran übernahm 1966 die Justus-Liebig Universität in Gießen die Liegenschaften und es entstand ein Lehr- und Versuchsgut für Tierzucht und Haustiergenetik. Ziel war es die Nutztierhaltung zu optimieren. Zucht- und Futterversuche wurden an Kühen und Schweinen durchgeführt. Ende 2009 wurde diese Dependance aus Spargründen aufgegeben. Doch es ist namentlich wieder adelig. Hubertus Freiherr von Schnurbein führt die Landwirtschaft weiter.